Das Wien Museum am Karlsplatz öffnet zum letzten Mal vor den mehrjährigen Umbauarbeiten seine Pforten: Zu diesem Anlass präsentieren heimische Street-Art-Künstler ihre gesprayten Werke in den Ausstellungsräumen. STREET ART & SKATEBOARDING heißt die von Karina Karadensky und Christine Koblitz kuratierte Take-Over-Ausstellung, die noch bis 1. September 2019 besucht werden kann. Gratis Eintritt

Street Art & Graffiti im Wien Museum

Street Art Künstler haben derzeit die leer stehenden Räumlichkeiten des Wien Museums übernommen. Bunte Graffiti wohin das Auge reicht. Auf rund 2000m² Ausstellungsfläche stellen mehr als 30 Graffiti-Künstler (Writer) und Street Artists ihre Sprühkunst unter Beweis. Im Erdgeschoss wird im Skatepark derweil auf den Boards fleißig getrickst. Die Ausstellung widmet sich nämlich der Street Culture – und hier erlebt das Skateboarding seit längerer Zeit ein Revival. Bei freiem Eintritt kannst du noch bis 1. September 2019 die Machtübernahme der glocal street culture selber bewundern. Danach ist das denkmalgeschützte Gebäude für spezielle Umbauarbeiten für ein paar Jahre geschlossen.

Die Wiener Street-Art-Szene

Vertreten sind Künstler wie der aus der Steiermark kommende Nychos, dessen Rabbiteye Movement auf der ganzen Welt bekannt ist. Der Mann ist mittlerweile ein Star in der Szene und lebt in Los Angeles und Wien. Außerdem sind Werke der Secret Society of Super Villain Artists (SSOSVA) ausgestellt. Es handelt sich um ein 1921 gegründetes Künstlerkollektiv mit mehr als 2000 Mitgliedern weltweit. Viele andere Street Artists, die unser Stadtbild seit mehr als 20 Jahren mitprägen, sind hier vertreten. Im Erdgeschoss gibt es die Möglichkeit, im Rahmen von Workshops den Gemäuern nochmal Farbe zu verleihen. Do it yourself! Darüber hinaus sind einige Künstler der Street-Art-Szene an Workshops beteiligt, die meist nachmittags stattfinden. Teilnehmen können Jugendliche und Erwachsene ab 14 Jahren. Podiumsdiskussionen und eine Finissage am 31. August stehen auch auf dem Programm.

Der Kunsthistoriker Stefan Wogrin hat sich bereits 2001 mit einem Dokumentationsarchiv um die österreichische Graffiti-Bewegung verdient gemacht: Auf seinem Blog Spraycity werden Graffiti dokumentiert und somit vor dem Verschwinden bewahrt. Denn Street Art ist eine temporäre Kunst: Den Witterungen ausgesetzt, verblassen Graffiti normalerweise im Laufe der Zeit.

Schon die alten Römer liebten es: So war die erste Kreuzigungsdarstellung des Jesus Christus ein römisches Graffiti. No joke! Auch aus einer modernen Stadt sind sie nicht mehr wegzudenken. Um nicht zu sagen: Gute Graffiti sind Aushängeschilder einer Stadt geworden, die was auf sich hält. Genauso gut könnte man nämlich die ganze Stadt Werbeplakaten auf Megaboards überlassen. Hier stellt sich die brisante Frage: Welche Flächen im öffentlichen Raum dürfen von wem in Beschlag genommen werden?

Graffiti und Street Art: Unterschiede

Graffiti und Street Art werden oft als synonyme Begriffe verwendet. In beiden Fällen handelt es sich um eine subversive Bewegung, die den öffentlichen Raum als Projektionsfläche verwendet. Allerdings gibt es hier kleine und feine Unterschiede: Writer kommunizieren mit ihren Graffiti eher mit anderen Writern als mit der Öffentlichkeit. Hierbei verwenden sie gerne Schriftzeichen beziehungsweise Tags (tag: Etikett, Markierung), um ihre Urheberschaft festzuhalten. Street Art richtet sich hingegen voll und ganz an die Öffentlichkeit und gibt sich gerne den Anschein der Anonymität. Eine bevorzugte Technik der Street Artists ist die Stenciltechnik (Schablonenkunst). Die Werke des Street-Art-Künstlers Banksy kennt man heute auf der ganzen Welt.

Street Art Wien

Ein Graffito von Fuchs © Matthias Lehar

Infos & Links

Takeover im Wien Museum

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FB SSOSVA

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