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Ein kalter Mittwochabend, ein gut gefüllter Jazzclub und jede Menge herzerwärmender Momente. Das Tour-Konzert zu ihrem neuen Album Klebstoff beglückt Künstlerin und Publikum gleichermaßen.

Porgy & Bess, im 1. Wiener Bezirk, feiert im Mai einen gelungenen Auftritt deutschsprachiger Musikkunst im Rahmen der Veranstaltungsreihe FM4 Indiekiste. Mit ihrem im April 2019 erschienenen Album Klebstoff kehrt Mine im Jazz & Music Club ein und stellt überrascht fest, dass sich das Publikum im Vergleich zu ihrem letztem Wienbesuch eminent vergrößert hat. Verwunderlich ist es jedoch nicht, dass sich so viele Leute einfinden um die Textvirtuosin live zu sehen. Die Musikerin schafft den Spagat zwischen Kunstwelt und echten Werten. Neben den eingängigen Melodienreigen bestechen ihre Werke nämlich vor allem durch ihre Authentizität und nachempfindbaren Emotionen.

Ganz in Rockstar-Manier, gekleidet in Leoparden-Pyjama mit weißen Turnschuhen, beginnen Mine und ihre Band die Show mit dem Song Du kommst nicht vorbei. Gefolgt von dem Glanzstück Essig auf Zucker aus dem Debüt-Album Der Weg ist das Ziel. Musikalisch wird variiert aus beliebten Titeln vorheriger Platten und denen der Neuerscheinung. Atmosphärisch in wechselndes Bühnenlicht getaucht, wiegen sich die Konzertbesucher in rockige und elektronische Klangfarben. Die fünfköpfige Band und das Publikum fühlen sich sichtlich wohl. Es wird getanzt, die Stimmung ist ausgelassen. Zwischen den Nummern wird gescherzt und es werden Anekdoten über die Tour erzählt. Dass man in Wien bei jeder Ecke über Elektro-Scooter stolpert, bleibt auch der Band nicht verborgen. Laut eigenen Angaben kommen die Musiker, ganz im km-Rausch der elektrisch angetriebenen Stadterkundung versunken, fast zu spät zum eigenen Konzert. Wien kommt gut an. Und Mine kommt gut an in Wien. So legt sie gleich einen neuen Glücksbarometer für sich fest. Wien als Messlatte der zu erreichenden Freude. Das gefällt auch dem Wiener Publikum.

Als Support-Act bringt Mine diesmal nicht nur AB Syndrom mit auf die Bühne, sondern lässt auch ihr fünfjähriges Ich mithilfe Tonaufnahmen alter Musikkassetten zu Wort kommen. Wir erfahren, dass sie als Kind schon gerne Gitarre spielen wollte, sich jedoch nicht zu den übungsfreudigsten Personen zählt. Die Intermezzi zwischen den Liedern machen den Bühnenstar zur zugänglichen Identifikationsfigur. Die Sympathie zur Sängerin wird auch getragen durch die persönlichen Insights, die sie mit den Besuchern teilt. Sie lässt die Zuhörer noch näher heran, als sie auf die tiefgründigen und sehr persönlichen Texte ihrer Werke erläuternd eingeht. So behandelt Vater die Konflikte zwischen ihrer Generation und der ihres südtirolerischen Vaters. Im Titelsong Klebstoff fließen ihre Gedankenwelten zur Bewältigung des Verlusts ihrer Mutter ein. Beim Stück Katzen, das für ein tolerantes und vielfältiges Miteinander steht, nimmt die Komponistin Bezug auf die bevorstehende Europaratswahl und animiert das Publikum zur Wahlbeteiligung. Auch einen fröhlichen Song gibt es, einen in acht Jahren, so Mine zum Titel 90 Grad (Intro Zukunfts-Ich).

Mines Musik ist ein Sound der konzertgeeignet umsetzbar, sowie für sich alleine hörbar ist, einfach schöne Wohnzimmermusik auf großer Bühne. „Kleben bleiben“ kann man in der Tat an dieser bunten Genre-Mischung mit liebevoll gemachter Konzipierung und Instrumentalteilen. Bindemittel sind spannungsreiche Klänge, kraftvoller Gesang, eine dynamisch unterstützende Lichtvisualisierung im Live-Auftritt und der intime Zugang, der zu ihren Texten gefunden werden kann. Die Liebe hallt von den Fans zurück und so wartet Wien beseelt auf ein Wiedersehen mit der grandiosen Mine. Der Eindruck eines grandiosen Konzerts bleibt haften.

 

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