Plattenbau. Realität vs. Künstler? Der Roman der slowakischen Schriftstellerin Jana Beňová erschien bereits 2012 im Residenz Verlag und wurde mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet.

Die Stipendiaten trafen sich täglich im Café, um ihre Strategie zu besprechen. Ihr Grundsatz war, dass, immer einer von ihnen arbeiten ging und Geld verdiente, während die anderen drei kreativ tätig waren. Die saßen dann im Café, liefen in der Stadt umher, studierten, beobachteten, kämpften um ihr Leben.

Die zwei Pärchen Elza und Ian und Rebeka und Lukas Elfman stecken tief in einer Plattenbausiedlung in Petržalka, einem Stadtteil von Bratislava. Die Farbe Grau taucht vor dem inneren Auge auf. Wie Wien oder Budapest, wird Bratislava durch die Donau getrennt. Es entstehen zwei Lager, die mal zusammen, mal getrennt existieren. „Bratislava. Eine Stadt, die dich dazu nötigt, dich auf irgendwas zu stürzen, so wie sie sich auf dich stürzt.“ Die Autorin weiß das so gut wie der/die LeserIn.

Der Traum vom Künstlerdasein ist auch bei den vier jungen Menschen einer, der viel Auseinandersetzung mit der Gesellschaft bedarf. Kreativer Schaffensraum und Zufluchtsort ist das Café Hyena, in dem sie sich immer wieder austauschen und besprechen. Jana Beňovás Sprache zieht einen in den Bann. Sie ist so zeitgenössisch und realitätsnah, dass man glaubt, man verwandle sich in einen der Charaktere.

Alle Frauen an diesem Arbeitsplatz sprachen einander mit ‚meine liebe …‘ an und weiße, giftige Spucke sammelte sich in ihren Mundwinkeln. Blutflecken schimmerten in ihren Augenwinkeln. Sie überbetonten bei allen weiblichen Formen die Nachsilbe In und hätten am liebsten noch MenschIn gesagt.

Die Gleichberechtigung der Frauen in der Slowakei war offensichtlich unaufhaltbar.

„Elza fehlt die Fähigkeit zum ausdauernden Schaffen – Sitzfleisch.“
In einer Welt, in der Ratten über ein besseres reflektierendes Denken verfügen als Menschen, bleibt der Traum erstmal aus. Auch das Café Hyena steht an seinen kreativen Grenzen. Alternative? Weg von hier! Aus der Beziehung, aus der Wohnung, aus der Stadt.

Elza verliebt sich in einen Tänzer. Und Rebeka unterhält sich nicht nur mit ihrer ausgedachten Freundin aus Kindheitszeiten, sondern auch mit deren Hund. Sie muss in die Psychiatrie. Dort muss sie schlafen, schweigen, sich von der Gesellschaft ausruhen. Ihr Freund Elfman flieht und will ja nicht angerufen werden.

Wir stromern herum, um der Gesellschaft auszuweichen und uns selbst geduldig Schritt für Schritt das Gefühl der Freiheit einzuflößen. In Wirklichkeit sind wir jedoch Mitglieder einer Pferdesekte und gehen nach strengen Regeln im Kreis.

Und Ian? Und das Café? – Lest selbst!

© Residenz Verlag

Infos und weiterführende Links

Außerdem von Jana Beňová im Residenz Verlag erschienen: „Abhauen!“ (2015)

 

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