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Alina verstärkt seit Kurzem unsere Redaktion und liefert ihren ersten Beitrag für das Delay Magazine. Das Slawistik-Studium führte sie vor dreieinhalb Jahren von Karlsruhe nach Wien. Städtetrips und größere Reisen gehören zu ihren Leidenschaften. Vor ein paar Monaten schmiedete sie fleißig ihre Pläne für die Zukunft. Nun ist sie da, die Zukunft, mit einem schwungvollen Strich durch die Rechnung. Gedanken über Wunschlisten in Zeiten von Corona.

Wünsche für 2020 & die nähere Zukunft lautete die Überschrift meiner Liste, die ich zum Jahresende von 2019 auf meiner Reise durch Peru anfertigte. Während ich täglich entweder zu einem Kurzausflug aufbrach oder ein neues „längerfristiges“ Ziel anstrebte, fielen mir in den unterschiedlichsten Momenten weitere Wünsche für mein Notizheft  ein.

Ich nutze die Distanz zu meinem Alltag und gewohntem Umfeld, um mir in Erkundungspausen, beim Herauslöffeln des Fruchtfleisches von saftigen Maracujas, Gedanken darüber zu machen, was ich im Leben erreichen möchte. Das Niederschreiben ist schließlich der erste Schritt zur Realisierung des Herbeigesehnten. Habe ich zumindest einmal in dem inspirierenden Instagram Account meines Vertrauens gelesen.

Dabei reichten meine Wünsche von einem mich zufriedenstellenden Bachelorabschluss, über eine zusätzliche Ausbildung zur Yogalehrerin in Goa, bis zu dem Vorhaben Spanisch zu lernen, da sich „Habemus muchos problemos“ als eine abstruse Vorwarnung für den Taxifahrer erwies, welcher meine plötzlich an einer Lebensmittelvergiftung erkrankten Freunde und mich aus den Tiefen des Colca-Canyons in die nächste Stadt zu einem Privatkrankenhaus geleitete. Zurück im Hostel, notierte ich mir am Abend das Anliegen, genug Geld zu verdienen, um in Notfällen stets auf der sicheren Seite zu sein.

Wunschlisten in Zeiten von Corona

Für die erste Hälfte dieses Jahres plante ich bereits eine enge Freundin zu ihrem Geburtstag in Frankreich zu besuchen und einer anderen sollte ich etwas später als Trauzeugin in Portugal zur Seite stehen. Die Osterfeiertage bei meinen Eltern in Deutschland waren selbstverständlich. Monate waren mal wieder im Voraus verplant, Flüge gebucht, Bewerbungen für Ferienjobs verschickt.

Nun sind schon mehrere Wochen der Quarantäne und Heimisolation vorbei. Für das bloße Auge unsichtbar, wütet weltweit ein Virus, das Spuren hinterlässt, die den Beobachter erstarren lassen. Einige Staatsoberhäupter (siehe beispielsweise in Weißrussland oder Brasilien) riskieren die Gesundheit ihrer Bürger und zögern bewusst die Setzung von einschneidenden Maßnahmen hinaus. Informationen über die Engpässe von Schutzkleidung, medizinischem Fachpersonal und Beatmungsgeräten werden begleitet von regelmäßigen Updates über die rapide Ausbreitung einer Krankheit, die anhand von Livetickern mit aktuellen Zahlen an Infizierten, Genesenen und Verstorbenen verbildlicht wird.

Todkranke verabschiedeten sich manches Mal von ihren Familien und Freunden via Videochat, für immer. Dem Rest der Welt bleibt auch dies nicht vorenthalten. Grenzen sind geschlossen, Menschen isolieren sich in ihren Häusern und Wohnungen von der Außenwelt, wirtschaftliche Existenzängste begleiten die allgemeine Sorge um die eigene Gesundheit und die der Mitmenschen. Und einfach so reduziert sich eine ganze Liste auf einen einzigen Wunsch.

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