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Das WERK gehört zu den beliebtesten Adressen der Wiener Clubkultur. Aufgrund der Maßnahmen gegen eine rasche Ausbreitung des Coronavirus steht der Betrieb vor einer beispiellosen wirtschaftlichen Herausforderung. Der Betreiber Stefan Stürzer kämpft nun um das Überleben seines Lebenswerkes. Spendier dem Werk ein Bier und trage dazu bei, dass uns eine der liebgewonnenen und authentischen Locations Wiens erhalten bleibt.

Stefan Stürzer und sein Krisenstab

Stefan Stürzer alias Stizz kommt dieser Tage selten zum Durchschnaufen. Hunderte Telefonate hat er bereits aufgrund der momentanen Situation absolviert. Im fortwährenden Austausch mit seinem Steuerberater, einem Anwalt und vielen Kollegen aus der Clubkulturszene werden Informationen geteilt und alle möglichen Szenarien durchgespielt. „Das WERK steht vor seiner größten Krise.“

Rette das Werk: Stefan Stürzer im WERK

Stefan Stürzer im WERK. Foto: Jakob Untner © 2020

Seit 2006 betreibt der Oberösterreicher mit viel Liebe und Engagement das WERK, das für viele Menschen ein beliebter Treffpunkt geworden ist. Stizz ist seit 18 Jahren Veranstalter – ein Job, der sehr viel abverlangt. Neben feinen Techno-Partys finden im WERK auch Lesungen und Konzerte statt. Für viele Menschen ist die Adresse an der Spittelauer Lände ein Ort, an dem unterschiedlichste Menschen ohne Vorurteile aufeinander treffen und eine gute Zeit miteinander verbringen.

Spendier dem WERK ein Bier

Die Spendenaktion wurde als Notnagel von Stefan Stürzer für den Fall ins Leben gerufen, dass keine öffentlichen Gelder fließen sollten. „Nachdem das Epidemiegesetzt ausgehebelt wurde, habe ich gedacht, dass sicher etwas Adäquates kommt, das Betrieben ermöglicht, über Wasser zu bleiben. De facto war das nicht der Fall.“ Weitere Informationen zur Spendenaktion findest du auf der Website des WERK.

Mit dem Erlass am 10. März 2020, durch welches die Gästeanzahl im Innenbereich auf 100 Personen begrenzt wurde, war es für die meisten Betriebe sinnlos, überhaupt aufzusperren. Mittlerweile sehen sich nahezu alle Wiener Clubs und Kulturgaststätten dazu gezwungen, mit Crowdfunding einen Existenzkampf zu bestreiten.

Rette das Werk

Seit 2019 gibt es diesen neuen Kassa-Bereich im WERK. Foto: Jakob Untner © 2020

Dabei befand sich das WERK, das im Vorjahr aufwendig renoviert wurde, auf einem vielversprechenden Weg. „Wir hatten Gott sei Dank ein sehr gutes 19er Jahr und auch in den letzten Jahren, wann immer es irgendwie ging, was auf die Seite gelegt. Wir hatten eine Rücklage, die jetzt aber aufgebraucht ist.“ Eine kleine Unterstützung erhielt das WERK inzwischen durch die MA7. Mit den Mitteln können jetzt im April betriebsnotwendige Zahlungen finanziert werden.

Die bisherige Unterstützung durch die öffentliche Hand ist jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Spätestens ab Mai sind finanzielle Engpässe zu befürchten. Ein Betrieb in dieser Größenordnung kann außerdem nicht per Knopfdruck von einem Tag auf den anderen runtergefahren werden. Lieferanten, Müllabfuhr, AKM, Versicherungen, Kreditraten  – die Liste, die Stizz zu diesem Zweck abwickeln muss, ist lang. Der wirkliche Shutdown kommt daher erst am 1. Juni. Die Fixkosten eines solchen Betriebs inklusive laufender Kredite sind jedoch hohe vierstellige Beträge, die weiterhin zu bezahlen sind.

“Die erste große Erkenntnis in so einer Geschichte: Der Markt regelt nichts.”

Ursprünglich für große Konzerne in Zeiten der Wirtschaftskrise konzipiert, orientiert sich auch die neue Kurzarbeit an vermögende Unternehmen. „Wie soll ich einen Garderobisten, einen Tontechniker, einen Security auf Kurzarbeit schicken, wenn kein Betrieb läuft? Mit jedem Einzelnen habe ich daher eine einvernehmliche Lösung mit Wiedereinstellungsgarantie unterzeichnet, damit jeder ohne Abschläge nach der Krise wieder zurückkommen kann.“

Das WERK Wien

Viele durchtanzte Stunden beseelen den kleinen Floor im WERK. Foto: Jakob Untner © 2020

Die Clubkulturszene Wiens im Existenzkampf

Die gegenwärtige Ausnahmesituation ist für alle Clubbetreiber gleichermaßen existenzbedrohend. Wer Rücklagen für ein bis zwei Monate vorweisen kann, gehört in der Realität schon zur Ausnahme. Eine monatelange Schließung kann daher so gut wie niemand stemmen, da Betriebskosten, Versicherungen und Kreditrückzahlungen weiterhin zu finanzieren sind.

Alle Informationen, die Stizz von seinem Mini-Krisenstab erhält, werden gesammelt an die Vienna Club Commission weitergeleitet, auf deren Website sie gratis zur Verfügung stehen. Auch andere Clubs beteiligen sich am Austausch, wobei die Vienna Club Commission als Schnittstelle dient. Dort kann man sich beispielsweise darüber informieren, wie man einen Shutdown Schritt für Schritt bewerkstelligt. „Es versucht ja wirklich jeder gerade, so lange wie möglich zahlungsfähig zu bleiben und nicht insolvent zu werden. Das ist das Einzige, was gerade jeder versucht, das so lange wie möglich zu strecken.“ Doch schon jetzt steht zu befürchten, dass viele Clubs schließen werden müssen.

Die Regierungsarbeit: Augenauswischerei

Finanzielle Direkthilfe wäre das Gebot der Stunde. 95% der Milliarden-Hilfspakete sind in Wahrheit keine Hilfsmittel, sondern Stundungen beziehungsweise Bankgarantien, die verzinst wieder fällig werden. Wer dennoch auf diese Kredite als Überbrückung zurückgreifen möchte, sieht sich mit bürokratischen Hürden konfrontiert. Denn die Antragsformulare sind derart kompliziert, dass sie ohne Steuerberatung nicht eingereicht werden können. „Das ist wirklich nicht der Stein der Weisen. Im Endeffekt schiebst du eine Welle vor dich her, die immer größer und größer wird. Das bedeutet, dass auch viele nach der Krise und der Wiedereröffnung in Konkurs gehen werden, weil das Ganze nicht mehr zu zahlen ist, was sich in den letzten Monaten durch Stundungen aufgebaut hat.”

Auch aus volkswirtschaftlicher Hinsicht wäre es sinnvoll, den Geldhahn nicht zuzudrehen. Stattdessen braucht es jetzt sofortige Zuschüsse vom Staat. Die Regierung würde aber die Verantwortung weitgehend auf Klein- und Mittelbetriebe abschieben, so Stizz. Dabei wäre es die Pflicht des Staates, hier alles Mögliche zu unternehmen, um Betriebe vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren.

Stefan Stürzer Werk

Stefan Stürzer im WERK. Foto: Jakob Untner © 2020

„Alle Betriebe, die aufgrund dieser Krise Konkurs anmelden und damit dauerhaft zusperren müssen, sind in weiterer Folge auch verlorene Arbeitsplätze. Viele von diesen verlorenen Arbeitsplätzen sind die nächste Krise. Wenn ich die Leute auf Sparflamme halte und sie so gut wie nichts mehr bekommen, was können sich die dann noch leisten? Das ist volkswirtschaftliches Totalversagen. Das ist eine Augenauswischerei. Wenn jetzt alles ausblutet, wo soll die Kaufkraft herkommen, wenn es dann wieder weitergeht. Ich befürchte, dass die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinandergehen wird”, vermutet Stizz.

Rette das Werk: Zukunftsaussichten

Wenn das WERK die nächsten Monate überhaupt zahlungsfähig bleibt und im Sommer manche Maßnahmen gelockert werden, kann Stizz den Betrieb dennoch nicht von 0 auf 100 hochfahren. Hier wurden bereits mögliche Szenarien ausgearbeitet und Vorkehrungen getroffen. So wurden beispielsweise Möbel reserviert, um nach Möglichkeit eine Kulturterrasse mit Livemusik zu eröffnen. Vor dem Donaukanal könnten dann kleinere Festivals veranstaltet werden.

Ebenfalls umsetzbar wären vielleicht kleinere Shows, die nur auf dem kleinen Floor stattfinden. Es bleibt jedoch auch die Frage offen, wie sich das Ausgehverhalten der Menschen verändert hat. „Ich glaube, dass die ganzen Sachen mal kleiner und familiärer beginnen werden. Alles übersichtlicher und abschätzbarer“, so Stizz. Im Moment beschäftigen ihn jedoch größere Sorgen: „Wir haben alle Möglichkeiten durchgespielt, auch wie man so einen Betrieb in den Konkurs oder in die Insolvenz bringt.“

Wir danken für das Gespräch!

Spendenaktion und weiterführende Links

Rette das WERK Wien

Vienna Club Commission

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