Nymphen, Blut und jede Menge Erotik. So startet das Theater an der Wien mit einer fulminanten Inszenierung von Dvořáks Märchenoper Rusalka in die neue Saison.

Wer kennt es nicht, das Märchen von der Nixe, die sich in einen Prinzen verliebt und Mensch wird. Das bekannteste Beispiel in der Popkultur ist wohl der Disneyfilm Arielle. Die Regisseurin Amélie Niermeyer hat sich Antonín Dvořáks Adaption des klassischen Stoffes vorgenommen und ihm ein radikales Makeover verpasst.

Bildgewaltige Einfachheit

Der Teich, in dem die Geschichte der unglückseligen Nixe beginnt, wird zum Hallenbad, das die Darsteller ständig zwingt, durch kniehohes Wasser zu waten. Die Wände dieses einfachen, aber gerade deswegen wirklich beeindruckenden Bühnenbildes, werden mit Reflexionen überzogen. Projektionen unterstreichen die dramatische Handlung. Ein gigantischer Luster wird von der Decke gelassen und bricht das Scheinwerferlicht.

© Herwig Prammer

Effektvoll ist Rusalka allemal. Dabei wirkt die Inszenierung jedoch nicht konstruiert. Jede Projektion hat eine klare Funktion. Immer wird durch die Szenen an den Wänden die Handlung übersteigert. Die Ausschnitte sind jedoch gerade so lang, dass man ihre visuelle Intensität erträgt.

Große Bühne, echte Emotion

Die Essenz von Rusalka, die Emotionen, durch die die verschiedenen Rollen gepeitscht werden, bleiben bei all dem Spektakel auf wundersame Weise authentisch. Die Figur des Wassermanns etwa lässt der Bass Günther Groissböck mit seiner Riesenstimme am Anfang der Oper noch richtig poltern. Er wandelt sich jedoch im Laufe des Stückes sehr natürlich zu jenem Mann, der am Coming of Age seiner Tochter Rusalka scheitert. Die Nixe selbst, überzeugend verkörpert von Maria Bengtsson, durchlebt in den drei Stunden Theater alles, was die pubertäre Seele zu bieten hat. Besonders ihre Entzauberung durch die Hexe Ježibaba bleibt als brutales Spiel der Kräfte zwischen Sex, Macht und kindlicher Verzweiflung in Erinnerung.

Oper ganz persönlich

Zu dem Farbenreichtum der Produktion trägt besonders das souveräne Ensemble und das Radio-Symphonieorchester unter David Afkam bei. Dvořáks Wechsel zwischen ruhigen und donnernd drohenden Stellen, setzen die Musiker präzise um. Besonders die Ausdauer von Maria Bengtsson in der Titelrolle ist beeindruckend. Öfter als in den allermeisten Opernproduktionen passiert es aber, dass man Orchester und sängerische Virtuosität vergisst. Man findet sich ganz und gar in der Handlung wieder. Die Inszenierung und Musik verschwimmen zu einem großen Ganzen. Rusalka wird zu einem Stück, das jene existenziellen Fragen stellt, die Dvořáks Musik widerspiegelt. Bedingungslos ehrlich wirkt es, was da auf der Bühne passiert und aus dem Märchen von der Nixe wird eine Geschichte, die jeder von uns nachfühlen kann.

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