Der Maler und Street Artist Luis Morales de la Cruz ist für seine frischen und farbenfrohen Kompositionen bekannt. Seine Werke werden mittlerweile in vielen Kreisen geschätzt. Delay Magazine hat sich mit dem sympathischen Wahlwiener in seiner Wohnung getroffen, um mit ihm über kreative Prozesse und Cocktails zu reden. Interview 

Luis Morales de la Cruz

Mit zwölf Jahren kommt der aus Peru stammende Künstler Luis Morales de la Cruz nach Wien. Nach einer zwei Jahre andauernden Phase des Kulturschocks ergreift er als Jugendlicher wieder Stift und Pinsel. Nach und nach integriert er die alten Hobbies in sein Leben. Von da an malt er produktiv bis zum heutigen Tag, an welchem wir ihn in seiner Wohnung im 9. Wiener Gemeindebezirk treffen, um mit ihm über Leben und Kunst zu plaudern.

Luis Morales de la Cruz

Luis im Gespräch mit Delay Magazine © Jakob Untner 2019

Was ist dein Lieblingscocktail?

Gute Frage. (lacht) Also ich kann Cocktails machen, aber ich bleibe persönlich lieber bei Bier. Ein guter Cocktail ist zum Beispiel Mai Tai, den mache ich auch sehr gut.

Wie kommst du auf deine Motive? Viele davon sind berühmte Leute und Ikonen aus der Popkultur. Spiegelt das deine persönlichen Interessen wider oder ist das ein künstlerisches Programm? 

Das waren Ikonen, die mein Leben in einer Zeit geprägt haben, als ich sie gemalt habe. Ich könnte jetzt nicht mehr sagen, dass ich ein Superfan von Frida Kahlo oder Dalí bin, aber ich habe einiges von ihnen gelernt. Mittlerweile habe ich andere Motive. Momentan sind bei mir moderne Künstler im Vordergrund. Zum Beispiel der österreichische Künstler Voka. Seine Farben haben mich inspiriert weiterzumachen und auch die französische Künstlerin Françoise Nielly. Wenn man es schafft, mit nur einem Ausdruck oder einer Haltung viele verschiedene Sachen zu sagen – auf dieses Niveau möchte ich mal kommen.

“Man muss viel Farbe verbrauchen, um seine eigene Mischung zu finden.”

Hast du eine Kunstausbildung gehabt? 

Nein, vielleicht in der Schule ein bisschen. Als ich ganz klein war, besuchte ich 2-3 Wochen einen Kurs mit älteren Leuten. Man wird ja auch immer von anderen Leuten geprägt und lernt von ihnen. Aber im Grunde habe ich mir viel selber beigebracht. Man muss viel Farbe verbrauchen, um seine eigene Mischung zu finden.

Inwieweit ist deine Kunst in der Pop Art angesiedelt?

Ja, Pop Art ist ziemlich viel Druck-Technik. Für mich ist Pop Art so gesehen relativ einfach. Ich mische meine Techniken lieber und male auch vieles freihändig. Abstraktes gemischt mit plakativen und figurativen Sachen. Pop Art hat mich natürlich inspiriert, aber man entwickelt sich weiter und findet seinen eigenen Stil, wenn man viel ausprobiert. Es gab eine Zeit, als ich meine Kunst “abstrakten Pop” genannt habe. Aber ich habe inzwischen so viele verschiedene Sachen gemacht, dass ich mir einen neuen Namen überlegen werde müssen.

Welche Rolle spielt Erotik in deiner Kunst? 

Erotik? Wow! Erotik. (schmunzelt) Es ist etwas, dass sich bei jedem unbewusst abspielt. Der Mensch – die schönste Schöpfung Gottes eigentlich. Es ist ganz natürlich, dass ich das ziemlich oft male.

Was möchtest du uns über deinen Workflow verraten? Unter welchen Bedingungen kannst du gut arbeiten?

Ich male gern am Abend. Am Abend bin ich kreativer und am Tag bin ich produktiver sozusagen.

Luis in seiner Wohnung im 9. Wiener Gemeindebezirk. © Jakob Untner 2019

Welche Farben oder Techniken bevorzugst du als Künstler? 

Ich male ziemlich gern mit fluoreszierenden Farben. Eine Konstante, die geblieben ist, sind meine Lieblingsfarben: Pink und Türkis. Für meinen Geschmack spielen diese Farben gut zusammen und passen zu meinen Motiven. Sowas sieht man nicht jeden Tag. Wenn du das gut kombinierst in einem guten Bild mit Message, dann wirkt das frech.

Du hast mal eine Art Schnitzeljagd mit deinen Bildern in Wien veranstaltet. Hast du wieder vor, so etwas zu machen?

Ja, auf jeden Fall möchte ich das wieder mal machen. Vielleicht in Kooperation mit einem Influencer, der sowas besser vermarktet und dann nicht nur mit meinen Bildern sondern auch mit anderen jungen Künstlern. Die Leidenschaft, Sachen zu erschaffen, muss weiter unterstützt werden. Wien ist eine Stadt, die sehr offen für Kunst und Kultur ist. Viele Leute sind daran interessiert.

Wie gut kannst du von deiner Kunst leben?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nichts anderes machen möchte. Aber es ist nicht einfach, alles andere hinzuschmeißen. Deswegen arbeite ich auch woanders, denn manchmal habe ich das Gefühl, dass ich noch abstürzen könnte. Ein Gefühl, das wahrscheinlich jeder mal hat. Man kann sich nie sicher sein. Aber mein Wunsch wäre es, mich ganz auf die Kunst konzentrieren zu können und ich tu alles, um meinen Wunsch zu verwirklichen.

Luis Morales de la Cruz

Wie schaut es mit deinen Zukunftsprojekten aus? 

Ich arbeite gerade an einem großen Projekt für März. Im Februar habe ich eine Ausstellung in der Botschaft von Peru mit anderen peruanischen KünstlerInnen zum Thema Umwelt. Das wird eine Serie von mehreren Bildern. Ich möchte vor allem hier in Wien mehr machen. Ich bin hier aufgewachsen und liebe Wien. Da kommt noch einiges. Die Sachen zeige ich auch immer im Social Media. Irgendwann würde ich gern mal ein Kinderbuch machen. Das wäre mal eine neue Herausforderung.

Du bist auch offen für die verschiedensten Auftragsarbeiten? 

Ja, bin immer fūr neue Herausforderungen offen. Momentan habe ich unterschiedliche Aufträge: als Illustrator für Magazine bis hin zu großen Wandmalereien. Ich arbeite sehr gerne an verschiedenen Projekten, solange ich im vorgegebenen Rahmen machen kann, was ich will.

Was sind deine Distributionskanäle für deine Kunst? 

Ich habe keinen Manager. Aber ich nutze Instagram, Facebook und Ausstellungen. In Wirklichkeit überrascht mich, dass die meisten Aufträge über Mundpropaganda laufen.

Luis Morales de la Cruz

Luis © Jakob Untner 2019

Das funktioniert wahrscheinlich auch gut, wenn jemand zuhause ein Bild von dir hängen hat und die Gäste ihn darauf ansprechen.

Mich hat mal überrascht, als ich bei jemandem, den ich nicht kannte, zu Gast war, dass der Gastgeber ein Poster von einem meiner Bilder in seinem Wohnzimmer hängen hätte. Dieser Moment war sehr lustig, das kann ja nur in Wien passieren. Mich überrascht es immer, wenn meine Arbeiten so die Runde machen. Man fühlt sich natürlich gut dabei, wenn die Leute deine Kunst mögen.

Wo findest du deine Inspiration? 

Überall, ich finde Inspiration in ganz natürlichen Momenten. Meist finden wir nichts mehr inspirierend am Leben, weil wir so beschäftigt damit sind, unseren Alltag zu meistern. Zum Beispiel ein Kuss. Wenn du jemanden küsst, den du gern hast, und den Boden unter deinen Füßen verlierst. Und dann machst du wieder die Augen auf und dir kommt die Umgebung plötzlich fremd vor. Solche Momente versuche ich in meinen Bildern oder Zeichnungen einzufangen.

Danke für das Interview!

Eindrücke aus dem Leben von Luis Morales de la Cruz

 

Weiterführende Links

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