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Am 11. Oktober steht wieder eine Wien-Wahl an. Dabei sind wir medial schon mitten im Wahlkampf. Dieses Jahr konnte man beobachten, dass auch Kleinparteien Raum zum Schwadronieren eingeräumt wurde. Manches von dem Palaver ist erträglich und manches wiederum weniger. Willkommen zur völlig unkorrekten Partei-Analyse der Wien-Wahl 2020 – denn wer will schon MIT Politikern reden? Lass uns doch lieber ÜBER Politiker sprechen!

Die Emotionen der politikverdrossenen Wiener reichen derzeit von latent gelangweilt bis schwer genervt. Außer vielleicht bei den üblichen Polit-Freaks, die sich an der hundertsten Diskussion noch erfreuen können, wird das Thema oft gemieden. Ich habe mir lange überlegt, wie ich mich dem Thema annähere, ohne eine weitere Kopie eines Floskel–Interviews abzuliefern. Und da lag für mich die Antwort auf der Hand. In einer Welt, die sich vor Korrektheit selbst zerfleischt, erschien mir die völlig inkorrekte Parteien-Analyse zur Wien-Wahl als genau das Format, das die Wahl verdient hat.

Starterfeld im Überblick! Don’t hate the Player – hate the Game

Für die komplette Stadt stehen neun Parteien zu Auswahl. Alle, wie ich hier einfach mal behaupte, ohne richtigen Willen, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern. Bis womöglich auf LINKS, die noch so jung sind, dass der Enthusiasmus halbwegs authentisch rüberkommt. Der Wille zu versagen ist hier wenigstens noch greifbar. Zu den restlichen desillusionierten Fixstartern der Saison gehören:

SPÖ: Eine Partei, bei der die Mitglieder selber schon lange nicht mehr wissen, wofür der Parteiname eigentlich steht, S – steht wohl für Spaß!

FPÖ: Bruder vor Luder hat bei den strammen Mannen nicht ganz funktioniert. Nach der peinlichen Selbstdezimierung bemüht man sich um was auch immer nach außen hin. Vielleicht hat man ja den Humor verloren, den Rassismus und Antisemitismus allerdings nicht, den hat man noch beibehalten. Die braune DNA wird man halt nicht los.

Grüne: Wer braucht nachhaltige soziale Stadtpolitik, wenn er einfach alles Grün anpinseln kann? Einfach mal am Wochenende den SUV stehen lassen und mit dem Fahrrad den neuen Pop-up-Radweg checken, kein Ding. Die Entdeckung des Populismus war für die Grünen eine genauso große Erleuchtung wie für die Industrie die Entdeckung des: Greenwashings. Seit dem erblüht die symbiotische grüne Vielfalt allerorts.

ÖVP: Messias-Kult und Wien-Bashing. Bei Gernot Blümel bekommt man immer den Eindruck, dass er eigentlich Wahlkampf für die Umfragewerte des heiligen Sebastian macht. Was ist da schon Wien, wenn man die ganze Scheibe habe kann.

NEOS: Stabil rückgratlos angepasst, wie man sie kennt. Setzten wie immer auf ihre alten Klassiker: Profite, Rendite, Scheinelite! Was bedeuten da Menschen, wenn man noch ein bisschen Gewinn machen kann? Den Schritt als Spitzenkandidaten einen völlig unbekannten BWL-Studenten zu nehmen, kann man hier nur als mutig konsequent bezeichnen.

Die Kleinen auf Jobsuche

Neben den „Big Playern“, also den gerade genannten Parteien, haben es noch einige neue oder kleine Fraktionen geschafft, die nötigen Unterstützungserklärungen aufzutreiben.

BIER: Gemma, geht scho, Voigas. Besoffene Geschichten klappen ja bekanntlich immer in Österreich. Nüchtern brauchst hier gar nix anfangen. Und dass man Satire von Ernst in Österreich nicht trennen kann, ist ebenso ein rot-weiß-rotes Phänomen. Stabiler Wahlkampf, sich einfach mal so durch alle Wiener Gemeindebezirke zu saufen, ein direkter Angriff auf die FPÖ sozusagen.

LINKS: Die Weltrevolution beginnt in Wien. Wo, wie, wann? Egal! Lass mal enteignen! Das Spannendste an ihrem Wahlkampf wird wohl nach der Wahl die Evaluierung sein. Dann wird die Linke wieder bereit sein, sich bis zur Unkenntlichkeit selbst zu zerfleischen bei der Aufarbeitung der gegenseitigen Schuldfrage! Was ist den bloß diesmal wieder falsch gelaufen, mhm….

SÖZ: Die Migrantenpartei, die zu Österreich und der Hauptstadt so richtig passt. Der opportunistisch integrative Prozess scheint hier ungeahnte patriotische Züge angenommen zu haben. Ein echter Wiener muss halt auch diskriminieren können! Oder nicht? Die Stimme für all die, die bereit sind, soweit dazu zu gehören, dass man wieder ausgrenzen kann. Ideologie der „Idiologiebefreiten“

THC: Уважаемые дамы и господа … Die Maske wird gar nicht oder nur unterhalb der Nase getragen, denn die braucht man ja schließlich noch. Schnief. Egal ob Ibiza oder Klosterneuburg, Hauptsache Steuergeld oder Spesen – Vollrausch als wär nix gewesen. Die Afterhour, bei der man nie landen wollte….

So, das war die völlig unkorrekte Partei-Analyse zur Wien-Wahl, ich hoffe, ich konnte euch eine zusätzliche Hilfestellung für eure im Endeffekt sinnlose Entscheidung im Herbst liefern. Falls nicht, auch egal. Wenn ihr das Ganze etwas seriöser haben wollt, empfehlen wir für alle noch Unentschlossenen, sich wahlkabiene.at etwas genauer anzuschauen. Die Kollegen dort haben, wie bei jeder Wahl, die Positionen der Parteien gesammelt und bieten euch kompakt mit einer dazu passenden Umfrage wahre Demokratiehilfe an.

Weiterführende Links

Wahlkabine.at

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