Vor zwei Wochen hat die Vienna PopUp Street im 18. Bezirk Eröffnung gefeiert. Am Mittwoch gab es zum Einklang einen Singer- Songwriter Abend. Fünf SängerInnen aus UK, Irland und Österreich wurden eingeladen und äußerten sich zum Thema der Stunde: Dem Brexit.

 

Der Brexit ist erstmal ein düsteres Thema für eine Auftaktveranstaltung. Die österreichische Künstlerin Claudia Heidegger und ihre Kollegen aus Großbritannien und Irland haben aber nicht nur mit ihren Stimmen gepunktet, sondern konnten den Abend auch durch ihre persönlichen Beziehungen zum United Kingdom bereichern.

Das Ganze natürlich unplugged, versteht sich. Vielleicht wegen des Flairs, vielleicht auch einfach weil die Kabel noch aus der Wand hängen. Aber das passt ja.

Wiens neuer Hotspot

Ein Vorbild war das in Berlin bereits etablierte Bikini Berlin, erzählt Evgenia Karp, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der PopUp Street.

„Unser Chef Christian Friesenegger hatte den Traum diesen Kulturhotspot zu machen. Es soll eine Plattform sein, die die einzelnen Bereiche von Kunst, Fashion, Design, Tech und Food, aber eben auch Veranstaltungen, Workshops und Lesungen et cetera vermittelt. Wir wollen einen Ort schaffen, wo wir Künstler unterstützen können, wo wir aber auch Leuten Möglichkeiten bieten wollen, die ihre Sachen nicht irgendwo fix verkaufen können, weil sie nicht den ganzen Tag in einem Geschäft sitzen können. Stattdessen übernehmen wir das – mit dem Shop-in-Shop-Konzept.“

Den Raum dafür kann man anmieten. Das geht von einem Regal bis zum 60qm-Eigenstore, von einer Woche bis hin zu einem Monat, aber auch der Eventraum im Untergeschoss ist für Veranstaltungen mietbar. Das Ganze funktioniert im Moment noch auf Kommissionsbasis, später wird es eine Raummiete geben, die Preise dafür stehen allerdings noch nicht fest.

Der Bedarf ist groß: „Wir haben gerade etliche Mails im Postfach. Wir schreiben aber auch selbst Leute an, die wir großartig finden“, sagt Evgenia.

© Fiona Hauser/Vienna PopUp Street

Whiskey-Stimme und ein Hauch von U-Bahn

Den Anfang bei der Eröffnung macht Stuart Neville mit seiner rauchigen Stimme. Aus Schottland kommt er, steigt thematisch ein und singt „What happened to the place I call home?“ Er lässt uns zu Bio-Apfel-Limette-Limo laut mitsingen: „Holding on for you“.

Sam Chalcraft, den man unter anderem in der U-Bahn antreffen könnte (sein Platz ist regelmäßig auf den Sternen der Wiener U-Bahn-Stars), spricht über Menschlichkeit. „Anger, frustration, sadness are my feelings for Brexit“, so Sam, „but I don’t blame people anymore. It’s the fault of an intelligent few.“
Zustimmung vom Publikum, wir singen mit voller Kraft mit ihm “What have you done?“ Hoffentlich hat Theresa uns gehört.

„Wir wollen auf Nachhaltigkeit setzen.“

In der Pause spricht Evgenia über die Location: „Wir sind hier natürlich im 18. Bezirk: Es ist bobo, es ist cool, es ist regional, vor allem, was den Food-Bereich angeht. Wir wollen ziemlich stark auf Nachhaltigkeit setzen.“

Auf die Frage, was das Zielpublikum sei, antwortet sie: „Ich glaube eigentlich, dass es etwas für jeden gibt; es kommt auch auf die aktuellen Aussteller an. Wir wollen eben die Vielfältigkeit der Kultur zeigen.“

Heimat oder Chaos?

Die österreichische Sängerin Claudia Heidegger hat mehrere Jahre in London gelebt. Es gehe ihr um Orte, an denen man sich daheim fühlt. Sie fragt, warum man sich immer abgrenzen müsse.

Was Brexit für sie bedeutet, zeigt sie uns am Schatten ihrer Hand: „Egal wie ich meine Hand drehe und wende, sie bleibt trotzdem immer gleich. Wenn ich also das, was den Schatten wirft, nicht ändern kann, muss ich vielleicht einfach versuchen es anders zu beleuchten.“

Mark Peters © Fiona Hauser/Vienna PopUp Street

Auch Mark Peters, stark engagiert beim Vienna Songwriting Circle und ebenfalls mit Gitarre unter dem Arm, äußert sich: „People do anything to make Brexit happen, which is a big shame”. Seine Mutter komme aus Nordirland, sein Vater aus einem Teil Indiens, der heute zu Pakistan zählt. Außerdem ist er Frontman bei seiner Band Mark Peters and The Dark Band.

Last, but not least: Dylan Goff, ebenfalls Singer und Songwriter aus einer Grenzregion in Irland. Er spricht über die Arbeitsplätze, die verloren gehen. „We don’t know what’s gonna happen. We have to talk to each other”, so seine einfachen, aber wahren Worte. Wie bei seinen KollegInnen, wird sein Auftritt emotional gefüllt, denn alle KünstlerInnen an diesem Abend haben einen besonderen Zugang zum leider andauernden Thema Brexit.

Danach gibt es eine Open-Stage, es werden Gitarren hin- und hergereicht und wer etwas zu sagen oder zu singen hat, darf es sagen oder eben singen.

 

Dylan Goff © Fiona Hauser/Vienna PopUp Street

Virtual Reality und Mittagessen vom Markt

Evgenia gibt eine Vorschau auf das, was als nächstes kommt: „Es wird einiges an Schmuck geben und auch Kosmetik wird im Shop-in-Shop Bereich verkauft. Unten wird es Virtual Reality geben. Ich möchte noch jemanden akquirieren, der wunderschönes bemaltes Porzellan hat. Im Food-Bereich tut sich ständig etwas. Wir haben irrsinnig guten Wein, supergutes Bier. Wir haben keine Gastro, aber dafür kann man sich eingepackte Mittagsmenüs von Pöhl & Mayr, die wir vom Kutschkermarkt abholen, mitnehmen.“

Trotz oder gerade weil über Großbritannien gesprochen wird, ist die Laune gut. Die Leute fühlen sich durch die Musik und den Zusammenhalt verbunden. Ein gelungener Auftakt der PopUp Street.

 

 

 

Infos und weiterführende Links

Mehr zur PopUp Street: https://popupstreet.at

Stuarts Facebook: https://www.facebook.com/stunevillemusic/

Sams Facebook: https://www.facebook.com/samchalcraft/

Claudias Facebook: https://www.facebook.com/claudiaheideggermusic/

Facebook von Mark Peters‘ Band: https://www.facebook.com/markpetersmusic/

Dylan’s Facebook: https://www.facebook.com/dylangoffsmusic/

 

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