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Gnoll – The Citadel Of Evil | Dungeon Synth | HDK 2018

Entzündet die Fackeln, festigt eure Rüstung, seht zu, dass euer Schwert Schneid hat, denn jetzt geht es ins Verlies! Das Mailänder Künstler-Kollektiv ,,Heimat der Katastrophe‘‘ führt mit ihren verzerrten Synth-Klängen zurück in die 80er, zu Atari und in die Zeit des Kalten Krieges, in eine Zeit, die jetzt schon retro erscheint. Doch fernab der klanglichen Assoziationen eröffnet sich dem Hörer auf ,,The Citadel Of Evil‘‘ noch eine ganz andere Welt: eine verlassene, kalte und von eisigen Böen durchzogene Realität. Ein Ort, an dem man Hoffnungen fahren lässt und jeden Schatten fürchtet, eine Landschaft mit knorrigen Bäumen, alten Schlössern, tiefen Kavernen, die das Erdreich durchziehen, verstaubte Verliese, alles trieft vor Vergangenheit und Vergehen. Überall lauert Gefahr, in schier endlosen Stollen, zermürbten Gemäuern und eben auch in jener Zitadelle des Bösen, in die das Werk einlädt.
Die teils traurigen, teils treibenden, manchmal melancholisch-gebeugten, manchmal launisch-lockenden, manchmal düster-brodelnden Verzerr-Klänge, die Gnoll aus dem Synthesizer hervorzaubert, schicken den Hörer unweigerlich auf eine Reise in die oben beschriebenen Landschaften. Es ist schon fast unverschämt welche Vielzahl an Stimmungen und Klängen hier aus dem Instrument hervorgekitzelt werden. Jeder Song zeigt einen ganz eigenen Charakter, und das obwohl die klangliche Ausstattung durchaus als minimalistisch bezeichnet werden kann.
Das Werk kommt in Dungeon Synth-Tradition vollkommen ohne Gesang aus (stimmähnliche Soundeffekte sind das Höchste der Gefühle), was allerdings nicht weiter stört. Titel wie ,,A cold, moist tunnel”, ,,the skull … speaks!” oder ,,The face with the knotted tongue” machen jegliches zusätzliches Geschichtenerzählen redundant und ermöglichen eine freie Entfaltung der Szenarien, die mit jedem Stück heraufbeschworen werden. Besonders empfehlenswert ist es natürlich, das Werk als Untermalung einer Retro-RPG Session zu verwenden, schließlich stellt ,,Citadel Of Evil” eigentlich eine Kollaboration mit dem italienischen Verleger Dungeoneer Games & Simulation dar, der dieses Abenteuer-Modul für die RPG-Reihe ,,Strange Magic” veröffentlicht hat.

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Wir hatten das Vergnügen, mit den Künstlern, die hinter Gnoll stehen, ein schriftliches Gespräch zu führen. Der original englische Schriftverkehr wird hier in Übersetzung wiedergegeben, darunter findet sich der Text in seiner ursprünglichen Form.

Weshalb wurde für euer Projekt der Name Gnoll gewählt?
Ein Gnoll ist ein dümmliches Monster, welches denkbar mies gelaunt ist und dementsprechend nicht besonders beliebt unter den Menschen. Und das obwohl das Wesen halb Mensch, halb Hyäne ist .. schon etwas sehr faszinierendes! Wir wollten dem Gnoll Tribut zollen, und ihm zu kurzfristiger Berühmtheit verhelfen, Seite an Seite mit anderen, viel besser bekannten Kreaturen wie Goblins, Kobolden und Orks.

Ein übelgelaunter Gnoll

Ein übelgelaunter Gnoll

Wann habt ihr begonnen, Musik zu machen, und wann habt ihr beschlossen, euch auf Dungeon Synth einzulassen?
Gnoll ist ein wunderliches Ensemble aus Dungeon Synth Musikern, die allesamt Erfahrungen mit Arnacho-Punk und radikaler Politik gemacht haben. Während einer existentiellen Krise fühlten wir uns wie im Verlies .. also haben wir begonnen, Musik aus dem Verlies, Dungeon Synth, zu komponieren.

Welche Künstler inspirieren euch?
Kein spezieller Künstler hat unsere Musik inspiriert, sondern viel eher die Erfahrung, die wir in Verliesen gemacht haben! In unserer Jugend verbrachten wir viele, viele Stunden in Gewölben und Kerkern wegen Dungeons & Dragons.

,,Citadel Of Evil” ist auch der Name eines tatsächlich existierenden Rollenspiel-Moduls, welches für das ,,Strange Magic”-System erschaffen wurde. Warum habt ihr euch dazu entschieden, dieses zu vertonen?
Wie gesagt, wir waren alle leidenschaftliche Dungeons & Dragons-Spieler. Als wir Bekanntschaft mit Dungeoneer Games & Simulations, ein Verleger, der sich auf Old-School RPGs spezialisiert hat, gemacht haben, fühlten wir eine starke Verbundenheit zu ihnen. Also entschlossen wir uns dazu, mit ihnen zusammenzuarbeiten, und einige ihrer Abenteuer-Module zu vertonen. ,,Citadel Of Evil” ist ein klassisches old-school-dungeon-crawling Model, ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, was eine gelungene Dungeon Erfahrung ausmachen sollte.

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Das dazugehörige Dungeon

Wenn ihr beginnt, ein Stück zu komponieren, steht zunächst eine Geschichte im Vordergrund, und ihr beginnt rundherum eine Melodie zu entwerfen? Oder bildet eine Melodie den Grundpfeiler, und bedingt eine Geschichte, die dazu erdacht wird?
Ersteres, Gnolls Musik setzt bei einer existierenden Situation an, die dann beschrieben wird. Wir versuchen uns, in diese Situation hineinzuversetzen, uns die Dynamiken vorzustellen. Dann beginnen wir die Musik passend dazu zu komponieren. Gnolls Werke entstehen allesamt im Zuge einer kollektiven Improvisation innerhalb einer gewöhnlichen Situation.

Seht ihr euch als Rollenspiel-Fans? Was ist euer liebstes Rollenspiel, welche Klasse führt ihr bevorzugt ins Feld, und welche Kreatur ist euer Favorit?
Wir lieben fast alle Rollenspiele, die vor 1991 produziert wurden. Dann endete der Kalte Krieg und zeitgleich erschien die fünfte Ausgabe von Dungeons & Dragons, was das Ende für Rollenspiele, wir wir sie liebten, bedeutete. Jedes Mitglied von Gnoll hat eine individuelle bevorzugte Charakter-Klasse, da brauchen wir nicht genauer darauf eingehen. Stattdessen können wir uns zumindest auf eine gemeinsame Lieblingskreatur einigen, nicht etwa den Gnoll, viel eher der Gallertwürfel.

ORIGINALTEXT

How did you come up with your project’s name, Gnoll?
Gnoll is a  stupid monster with a bad attitude, for this he’s not loved by people, but the Gnoll is still a creature half man half hyena about 2 meters high …  oh yes, something very intriguing! We wanted to offer a tribute to the Gnoll, to give him a moment of fame alongside the well-known goblins, kobolds and orcs.

For how long have you been making music, and when did you start making Dungeon Synth?
Gnoll is a strange ensemble of dungeon-synth musicians who come from experiences related to anarchist punk and radical politics. In a period of existential crisis we found ourselves in a situation similar to a dungeon … and we started to compose dungeon music.

What artists inspire you?
We are not inspired by any particular artist, but it is our experience in dungeons that inspires us. In the years of youth we spent many hours in the dungeons because of D & D.

Why did you choose to do some kind of soundtrack for an RPG module, or rather, why did you select this specific one?
As I said, we were all great D & D players and when we met the Dungeoneer Games & Simulations production, a publishing house dedicated to the production of old-school RPG, we felt a very strong affinity and we decided to collaborate to sound some of their adventure-modules. “Citadel of Evil” is a classic old-school-dungeon-crawling module, a perfect example of what a dungeon experience should be.

When you start composing a song, is there first an idea or an image of a scene that you want to illustrate with your music, or is it the other way round? Like, do you come up with a melody and then start fleshing out the story behind it?
Absolutely not, the music of Gnoll starts from the situation to be described. We try to get into the situation, imagine the dynamics and then we compose the music. All of Gnoll’s music stems from a collective improvisation involved in a common situation.

I assume you are, but nevertheless: Do you consider yourself an RPG fan? What is your favorite RPG, what is your favorite class to play, and what is your favorite creature? (I assume it’s gonna be a Gnoll)
We love all the role-playing games produced until 1991, when the cold war ended and the 5th edition of Dungeons and Dragons came out, which sanctioned the end of the role-playing game as we had loved it. Each of the Gnoll components has its own favorite character classes, but there is no need to specify. Instead we all agree on our favorite monster, which is not the Gnoll, but the Gelatinous Cube.

 

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strange gateways beckon

Infos und weiterführende Links

Heimat der Katastrophe Bandcamp
Heimat der Katastrophe FB
Dungeoneer Games & Simulations

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