Wer jetzt bei diesem Bandnamen an das Fusion und Jazz-Ensemble Elements aus Amerika denkt, den muss ich leider enttäuschen. Die Mucker dieser Band kommen aus dem beschaulichen Schwaz im Tiroler Unterland und haben sich dem “Experimental, powerfull and psycedelic Rock’n Roll” (sic!) verschrieben.

Zumindest laut der Eigenbeschreibung auf ihrer Facebook-Page. Eine reguläre Website konnte ich leider nicht finden. Beim erstmaligen Hören ihres Debüts “Reality Check” fiel mir unweigerlich auf, dass die drei Herren ganz schön funky für Psych-Rock sind. Die ersten Töne des Einstiegssongs “Hyde” schießen dermaßen funkadelic aus meinen Kopfhörern, dass ich sofort an die Soundtracks von diversen amerikanischen Neunzigerjahre-Soaps denken muss. Was nicht unbedingt schlecht ist, denn für Funk muss man auch dementsprechend spielen können. Und dieses Handwerk beherrscht das Tiroler Trio technisch sehr gut. Die vom Bass dominierten Kompositionen grooven sonor und druckvoll, die Drums sind tight und empfangen den Zuhörer mit feinen Fills und abwechslungsreichen Arrangements.

Auch das Plattencover des Erstlingswerk erinnert mich stark an die Eingangs erwähnte Ära der Rock´n´Funk -Musik. Der Gesang ist allerdings etwas drucklos und verpufft irgendwo zwischen Bassdrum und Snare. Auch manche Strophen und Refrains könnten fetter sein, wirken diese doch oftmals ein wenig aufgesetzt. Besonders das seltsame Background-Gelache und -Gemurmel bei “Hyde” wirkt eher störend als progressiv. Ob dies möglicherweise an der Aufnahmequalität von “Reality Check” liegt, oder am nervigen Vocal-Harmonizer, konnte ich nicht analysieren. Dieser ist besonders im ersten Song dermaßen omnipräsent, dass ich in den nächsten Tage erst mal keinen Bock auf den Klang einer Telefon-Stimme habe (Sorry Mama!). Jetzt mal Hand aufs Mucker-Herz: Derartige Effekte waren bereits vor zehn Jahren eine alte Nummer und das Retro-Argument lasse ich hier nicht zählen.

Songs wie das eher bluesige Stück „Blue Love“ und der im Gegensatz zu “Hyde” etwas eingängigere Song “Famulus Erectus” beweisen jedenfalls, dass sich die Stimme des Elements-Vokalisten nicht hinter einem altbackenen Gesangs-Effekt verstecken muss. Vergleiche von anderen Rezensenten, die Band würde latent nach Wolfmother oder gar alten Zeppelin klingen, kann ich nur dahingehend bestätigen, als dass die genannten Gruppen auch auf Musikinstrumenten spielen. Mir fiel selbst beim zweiten Durchlauf kein einziger stringenter Einfluss eines Vin Steele oder Robert Plant auf. Die auf der Elements Facebook-Seite verfasste Eigenbeschreibung von “dramatischen und explosiven Live-Shows” lassen auf ein gutes Selbstbewusstsein der Österreicher schließen. Die Band hat scheinbar noch Größeres im Sinn, wie man aus diversen Interviews und (teilweise erfolgreich) absolvierenden Bandcontests entnehmen kann. Ich hätte mir persönlich etwas mehr Understatement gewünscht. Da ich Elements aber noch nicht live gesehen habe, werde ich dies alsbald nachholen und dieser selbstdarstellerischen Behauptung mal auf den Puls fühlen.

Fazit

Das Debüt der Österreicher Elements besticht durch frische Indie-Rock-Songs, die stark von Funk-Elementen getragen werden. Der Gesang gestaltet sich als abwechslungsreich und experimentell, allerdings ist sowohl kompositorisch als auch technisch mit Sicherheit noch etwas Luft nach oben. Allumfassend ist “Reality Check” ein gelungener, grundsolider Einstieg. Die musikalischen Ergüsse des Trios sind nicht eindeutig einem Stil zuzuordnen und stehen daher zwischen den Stühlen verschiedener Genre. Durch diese Kompatibilität kann daher mit Sicherheit ein breiteres Publikum bedient werden. Direkte Vergleiche zu Funk- und Bluesrock-Größen möchte ich daher nicht ziehen, doch so viel vorweg: Wer groovig eingängigen Rock mit latentem Hang zu Progressive- und Funk-Elementen favorisiert, der sollte sich “Reality Check” definitiv mal in die Gehörgänge reiben.

Elements 1

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