Schwaz, die Silberstadt im Herzen des Karwendels. Ideal für Sportbegeisterte, Kulturfans oder Burnout-Geplagte. Unberührte Natur, die dem urbanen Zentrum der Region sanft die Hand hält.  Was die Stadt allerdings tatsächlich interessant macht, ist seine florierende Landschaft von Undergroundbands, aus der sich in diesem Jahr die Prog-Funk-Jazz-Rock-und-was-sonst-noch-so-geht-Band, die ELEMENTS hervorhob. Seit ihrer Gründung unter dem Namen Reality Check, welcher mittlerweile zum klingenden Namen der ersten EP umfunktioniert wurde, wird Schwaz von Groovebeben der Stärke 10 heimgesucht. Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen traf ich mich mit Patrick(Gitarre), Gregor(Bass) und Alessandro(Drums) im kalten und unwirtlichen Gewerbegebiet im Binnenstaat Zirl in Tirol, wo bei Bier und Wein Unklarheiten aus dem Weg geräumt wurden.

12096509_490002444501817_4372631313103496166_nWie geht es euch?

Hallo! Sehr gut!

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Greg: Das war eine sehr komplexe Geschichte…

Pati: Ich und Gregor haben uns während meiner Hauptschulzeit  im Skilager kennengelernt und er hatte ein Miniskateboard dabei, was mich sehr sehr beeindruckt hat

Gregor: Ich und Pati haben mit 13 angefangen Musik zu machen. Mit Alessandro habe ich bereits vor den Elements in einer Thrash-Metalband (Faith illusion) gespielt. Als Pati und ich uns dazu entschieden haben eine neue Band aufzumachen holten wir uns Ale ins Boot.

Ale: Obligatorisch. (lacht)

Wie kam der  musikalische Wandel? Ihr habt euch mit den Elements ja eher in eine andere Richtung bewegt…

Alessandro: Das ist ganz natürlich gekommen. Man bildet sich musikalisch immer weiter und hört automatisch auch mehr Musikrichtungen.

Pati: Zu meiner Verteidigung! Ich habe nie Metal gespielt! (lacht)

Greg: Es hat sich halt so ergeben… Bei Faith Illusion waren die Gitarristen speziell in Bezug auf Songwriting immer etwas dominanter. Metal war in dieser Zeit unser Ding, hat sich dann aber schlussendlich etwas verloren.  Es war Schicksal.

War die Entscheidung zu dritt zu bleiben freundschaftlichen Ursprunges oder hat das eher mit praktischen Gründen zu tun gehabt?

Pati: ich war vorher in einer fünfköpfigen Band und da hat jeder seine eigenen Vorstellungen gehabt.Da wird es manchmal etwas schwierig. Als Trio ist alles entspannter. Vor allem in Bezug auf Songwriting und Kommunikation.

Gregor: Für uns gehört Musik zum Alltag und da auch jeder bei den Elements den Drang hat Musik zu machen hat sich die Sache einfach so ergeben.

Was war für euch der ursprüngliche Initiator Musik zu machen? Mann könnte sich ja auch dazu entscheiden Fußballer oder Astronaut zu werden.

Pati: Es war Gleichsam Hobby und Leidenschaft. Stardom war uns immer schon egal. Wir waren halt jung und hatten nichts besseres zu tun! (lacht)

Alessandro: Ich habe viel Musik gehört. Ich hörte mir Bands an und dachte mir: Das würde ich auch gerne können. Und daraus entstand  das Bedürfnis selbst Musik zu machen. Die Drums haben sich dabei herauskristallisiert.

Elements

Ihr seid auf euren Instrumenten ja sehr versiert und jeder von euch hat sich durch verschiedene Genres bewegt. Ist es daher manchmal schwierig einen gemeinsamen musikalischen Nenner zu finden?

Gregor: Manchmal schon, aber diesen gemeinsamen Nenner oder Kompromiss zu finden ist das interessante an der Sache.

Pati: Mann muss dazusagen,dass wir unseren endgültigen Sound noch nicht gefunden haben. Es gibt immer noch genug Platz nach oben. Man sollte sich selbst treu bleiben, sich stetig weiterentwickeln und viel experimentieren. Jedenfalls werden wir nie eine Bongoband(lacht).

Ale: Die musikalische Ausrichtung wird sich sowieso immer ändern also…

Greg(ergänzend): …Musik ist viel zu facettenreich. Wieso sollte man nur eine Richtung spielen?

Wie sieht euer Songwritingprozess aus?

Greg: Das wichtigste ist: Jeder soll seinen Teil haben. Es muss für alle passen. Grundsätzlich bringt jeder in der Band Ideen auf denen aufgebaut wird. Das kann ein Riff oder ein fertiger Song sein. Man versucht das beste einzubringen und dann kommt auch was Gutes dabei raus.

Pati: Niemand ist passiv, jeder ist aktiv.

Ale! Laut meines Wissensstandes bist du in Mathe sehr versiert. Hat das Einfluss darauf wie du Musik machst?

Ale: Ich studiere Mathe und Latein auf Lehramt. Eventuell als Plan B. Rhythmisch gesehen ist es schon hilfreich. Aber man darf das Spielen selbst nicht vergessen. Nicht immer nur an Triolen, Quintolen, Viertel etc. denken. Hinsetzen und spielen.

Euer erstes Album Reality Check ist vor kurzem erschienen. Was war der Gedanke dahinter?

Greg: Es ist sicher die persönliche Einstellung. Politische Sachen. Kleiner Fakt: Hide hab ich am Klo geschrieben. Man befasst sich mit Themen, wo man sich denkt: „Scheiße darüber muss ich etwas schreiben“. Grundsätzlich sind es persönliche Erfahrungen. Inhaltlich soll eine gute Geschichte erzählt werden. Manchmal erzählt man mehr, manchmal weniger. Die Texte sollen dabei nicht unbedingt ein Apell an die Zuhörer sein, sondern eher ein Apell an einen selbst. Ich schreibe Texte bevorzugt aus der Ich-Perspektive. Die Sachen sind dann auf jeden Fall zynisch. Reality Check ist ein ernstes Album. Das Kritische werden wir definitiv beibehalten.

Pati: Die Songs/Texte sind die Reflektion unserer selbst. Die Texte sind ein Katalysator für Sachen die einen aufregen. Die Gesellschaft auch mal anders und kritisch sehen.Musik ist für mich die Plattform um dies auszudrücken. Cool wenn sich jemand mit den Texten befasst aber man muss auch nicht alles zu ernst sehen.

Ale. Mir ist die Musik selbst am wichtigsten. Ich möchte nicht unbedingt politisch wirken. Wenn ich selbst Musik höre, interessiere ich mich primär für den instrumentalen Part. Texte werden eher beim späteren Durchhören interessant.

 

Elements_live_1

Soundtechnisch habt ihr ja immer eine bestimmte Grundaggression gepaart mit vertrackten Rhythmen. Trotzdem ist euer Sound erfrischend tanzbar. Wie kommt es dazu?

Pati: Das hören wir oft. Wir sehen gerade auf der Schneide zwischen brutalen rhythmischen Variationen und Pop. Obwohl Pop jetzt blöd klingt. Es geht auf alle Fälle ins Ohr und soll zum tanzen animieren. Wir spielen weder Fusion noch Nickelback.

Wie war die Erfahrung im Studio?

Greg: Das war im Studio Hundert im Alpbachtal. Das war so die erste richtige Studioerfahrung für uns. Klar hat man schon selbst immer wieder etwas aufgenommen, aber noch nicht in diesem Rahmen. War auf alle Fälle eine super Erfahrung. Was uns am meisten gebracht hat, war die Aufarbeitung der Songs im Studio. War auch ein bisschen komisch, weil man sich denkt: so sind die Songs und so nehmen wir sie auf. Und dann kommt der Producer und mischt da noch ein bisschen mit. Das hat auch zum einen oder anderen Konflikt geführt.

Ale: Wir waren vorher ja mehr so: „Nein wir ändern nichts“(lacht). Musik ist viel zu facettenreich. Wieso sollte man nur eine Richtung spielen.Vom musikalischen Standpunkt Wahnsinn weil man auf Sachen kommt, die einem vorher gar nicht aufgefallen sind. Du spielst die Songs zig mal und prägst dir sie richtig ein. Das hat vor allem unsere Live-Performance drastisch verbessert.

Pati: In Bezug auf die Songs haben wir dann doch noch einiges geändert. Auf jeden Fall eine fruchtbare Quelle. Johannes (Jay Hundert) unterstützt uns auch schon seit Längerem, bringt uns immer wieder Angebote für Gigs oder Studioaufnahmen für andere Musiker.

War in Bezug auf das Studio also eher ein Bro-Verhältnis. Hattet ihr das Gefühl euch im Zuge dessen etwas verbiegen zu müssen?

Greg: Es war kein Arbeitsverhältnis sondern kollegial. Ist zwar schwierig wenn ein Außenstehender Seine Ideen hat aber das war schon in Ordnung.

Elements Album CoverWer hat das Cover designed? 

Greg: Wir hatten vorweg viel Unterstützung von Freunden. Ein großes Dankeschön an der Stelle. Das Cover stammt von Nikolaus Weber. Die Gestaltung war von Florian Knapp (Ed-Vsion, Kreativ Quadrat). Die Fotos sind Von Lisa Kohler.

Pati: Sind alles Kollegen von uns die im Cover sind.

Habt ihr einen persönlichen Lieblingstrack auf dem Album?

Ale:  Am ehesten hide.

Pati: Die Songs haben alle ihre Highlights. Bin ich mir nicht sicher aber ich finds gut dass sie alle anders klingen.

Greg: Vom Mix und Arrangement finde ich Blue Love am besten. Eigentlich alle fünf.

Was habt ihr für Pläne für die Zukunft

Pati: Im Frühjahr haben wir ein Video geplant und dann eine Tour. Nach der langen Probezeit und Studiosession freuen wir uns darauf, wieder neue Sachen zu schreiben.

Ale: Auf jeden Fall neue Tracks.

Greg: Gigs!

Habt ihr einen Tip für musikalische Neulinge bzw. junge Bands.

Pati: Das tun was einem gefällt. Sich stilistisch nicht eingrenzen. Alles geben und….(Pause)…alles geben(lacht).

Ale: Genau!

Greg: Lieder nachspielen die einem gefallen und dann fanatisch werden und sich mehr auf sein Instrument als auf Frauen konzentrieren.

Danke für das Gespräch!

Weiterführende Links

Lest hier die Rezension von Elements Debut-Album “Reality Check”!

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