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Faika El Nagashi kämpft seit Jahren für eine bessere Zukunft. Als Nummer 5 auf der Liste kandidiert sie diesen Sonntag bei der Nationalratswahl für die Grünen. Unser Redakteur Fero Zboray hat sie im Rathaus getroffen und mit ihr über Torten, Novomatic und die Wahl gesprochen.

Esterházy oder Sachertorte?

Esterházy Torte, wegen der Kindheitserinnerungen. Ich bin in Budapest geboren. Die Sachertorte ist super und gehört zu Wien, aber ich bin da nostalgisch in Bezug auf meine ungarische Großmutter. Deswegen Esterházy.

Geradeaus: Wer bist du und was machst du?

Ich bin durch und durch ein politischer Mensch. Seit meinem 19. Lebensjahr gehört politischer Aktivismus zu meinem Leben. Egal, wo ich erwerbsmäßig beschäftigt war, war meine Arbeit für mich immer politisch. Ich wollte nicht „helfen“, sondern das System verändern. Mein Ziel ist mehr soziale Gerechtigkeit, mehr globale Gerechtigkeit durch Systemveränderung. Ich bin jetzt Politikerin, sehe mich aber auch als politische Aktivistin.

Was bedeutet Erfolg für dich?

Meinem Leben politisch und persönlich mit dem, was ich mache, Sinn geben zu können.

Faika El-Nagashi

Faika El-Nagashi. Foto: Michael Hochwarter © 2019

Kinder sollte man vor Religion genauso wie vor Gewalt schützen. Was sagst du zur aktuellen Debatte über das Kopftuchverbot?

Menschenrechte sind ein zentrales Thema für mich und ganz besonders Frauenrechte und Kinderrechte. Ganz wichtig ist mir das Selbstbestimmungsrecht von Frauen. In jeder Hinsicht: wie zum Beispiel die körperliche Unversehrtheit, die Selbstbestimmung über Reproduktion und Sexualität, über das eigene Leben und Lieben, Ausbildung und Berufswahl – und selbstverständlich auch darüber, was wir Frauen anziehen. Aus diesem Zugang des Selbstbestimmungsrechts von Frauen lehne ich jede Art von Zwang ab – und ebenso Verbote, die die Freiheit und die Rechte von Frauen einschränken.

Auf deiner Homepage steht: Du bist kosmopolitisch, höflich und radikal. Wie passt das zusammen?

Ich finde, es passt ausgezeichnet zusammen (lacht). Denn ich will die Dinge an der Wurzel packen und suche den Dialog mit anderen Menschen – das ist mir wichtig. Ich suche das Verbindende zwischen den Menschen. Aber es ist auch bedeutend, dass wir uns der Unterschiede bewusst werden. Und wir diese nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung sehen.

Was ist seit Glawischnig und der Novomatik-Geschichte bei den Grünen passiert?

Glawischnig mit Novamatic war ein Tiefpunkt in einem Tief der grünen Geschichte. Seitdem hat sich aber sehr viel getan. Es gab intensive Auseinanderdersetzungen, die zu einem inhaltlichen Neustart und zu Neustrukturierungen geführt haben. Die vergangene schwarz-blaue Regierung, die versucht hat, die Bevölkerung zu spalten, war für viele existenzbedrohend und hat rassistische Hassrede auf die politische Tagesordnung gebracht. Wir als Partei versuchen demgegenüber politisch aktiv zu werden. Es ist Zeit für eine andere Art der Politik: Hoffnung statt Angst, Solidarität statt Hetze. Viele Menschen möchten etwas verändern und die Zivilgesellschaft braucht Andockmöglichkeiten. Diese muss ihnen die heutige Politik anbieten.

Faika El-Nagashi

Faika El-Nagashi. Foto: Michael Hochwarter © 2019

Schaffen es die Grünen in den Nationalrat?

Jetzt geht es für uns um alles. Der Wiedereinzug ist keine Selbstverständlichkeit. Aber ich bin davon überzeugt, dass es die Grünen wieder im Nationalrat braucht. Es ist an der Zeit, die Verhältnisse zu verändern – eine politische Partei im Nationalrat vertreten zu haben, die die ökologischen und sozialen Themen miteinander verbindet und alternative, progressive und nachhaltige Konzepte dafür hat. Es geht darum, Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte zusammen zu denken und zusammen zu bringen. Und dabei politischen Anstand, Anerkennung und Wertschätzung in den Vordergrund stellen.

Die Geduld und die Zeit, auf Veränderung zu warten, gibt es nicht mehr. Wir müssen jetzt handeln. Wenn wir etwas verändern wollen, dann muss es jetzt passieren.

Hast du noch Abshlussworte an unsere Leserinnen und Leser?

Mut und Zuversicht in sich selbst zu fassen. Das zu finden, wofür ihr leidenschaftlich brennt und an dem dran bleiben.

Infos und weiterführende Links

Facebook von Faika El-Nagashi

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