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Ein irakisches Flüchtlingskind geht erfolgreich seinen Weg und bringt uns dabei zum Lachen: Der einzigartige Stand-up Comedian Aladdin Gedik präsentiert sein neues Soloprogramm Generation 2000 in der Wiener Kulisse am 14. Jänner. Unser Redakteur Fero Zboray hat ihn in seinem Heimatbezirk Ottakring zum Interview getroffen.

Spongebob oder Simpsons?
Beides, aber Spongebob mehr, weil ich das früher mit meiner Schwester gemeinsam geschaut habe.

Wer bist du, was machst du?
Ich bin Aladdin Gedik und mache Stand-up. Ich bin ursprünglich aus dem Irak und lebe seit 20 Jahren in Wien.

Was bringt dich zum Lachen?
Meine Jungs und manchmal Memes. (schmunzelt)

Warum habt ihr eure Heimat Irak verlassen?
Wegen dem Golfkrieg sind wir zuerst nach Istanbul und dann nach Wien geflüchtet.

Aladdin in seiner Hood – Wien Ottakring

Wie war Istanbul für dich?
Ich war damals fünf Jahre alt und dachte am Anfang, wir machen Urlaub. Die Menschen waren sehr freundlich und das Essen war auch sehr lecker. Ich habe mich nach einiger Zeit eingelebt. Ich war ein sehr guter Schüler und habe sogar in einer Fußball Akademie gespielt.

Und dann?
..sind wir nach Wien gekommen. Ich war damals neun Jahre alt und wurde wieder aus meinem Umfeld herausgerissen. Neue Sprache, neue Leute, neue Umgebung. Es war nicht einfach, aber als Kind gewöhnt man sich leichter an neue Zustände.

Wer hatte in deiner Kindheit den größten Einfluss auf dich und warum?
Meine Onkel, die waren alle sehr humorvoll und haben eigentlich auch Stand-up Comedy gemacht, ohne es zu wissen.

Gibt es bei deiner Art Comedy Tabus?
Ich will mir keine Grenzen setzen, aber es gibt gewisse Themen, die nicht einfach sind, wie zum Beispiel die Religion. Religion ist eine private Angelegenheit und daher auch etwas, das man mit Respekt behandeln sollte.

Wie gehst du mit Drohungen und Beleidigungen um?
Meistens mit Humor. Viele Menschen, die mir drohen, haben eine sehr eingeschränkte Weltanschauung. Für die sind Katzenvideos lustig, aber mehr Humor verkraften sie nicht. Sie denken sich, wenn sie mir schreiben, dass ich damit aufhöre. Oft schicke ich ihnen ihr eigenes Profilbild als Antwort zurück. (lacht)

Aladdin Gedik

Sein Humor ist eine Wiener Melange

Wie erlebst du den deutlichen Rechtsruck in Österreich?
Für mich ist das leider nichts Neues. Seit ich in Österreich bin, bin ich ständig mit Rassismus und Polizeikontrollen konfrontiert worden. Es ist mir echt mittlerweile scheißegal. Ich finde aber, dass die Social-Media-Welt die Situation verschlimmert. Man kann dort öffentlich Rassismus verbreiten und es gibt kaum Konsequenzen.

Was hast du dir von deiner ersten Gage gekauft?
Ich habe eine kleine Rechnung bezahlt.

Was ist deine Motivation?
Ich will das machen, was ich gerade mache und zwar ohne Druck. Ich will nicht zu Hause sitzen und mein Talent vergeuden. Durch meinen Stand-up mache ich einige Leute glücklich und das motiviert mich.

Was gibt dir Kraft?
Um ganz ehrlich zu sein: Geld, Erfolg und Familie.

Viele kreative Menschen erleben Hochs und Tiefs – wie holst du dich aus den Tiefs heraus?
Wenn ich mich wieder ins Gleichgewicht bringen will, dann leg ich mein Smartphone auf die Seite und verbringe die Zeit mit den Menschen, die mir nahe sind.

Hast du vielleicht ein paar Worte an Jugendliche, die sich nicht trauen, ihren Träumen nachzugehen?
Aus meiner Sicht geht es im Leben um Angst und Liebe. Das sind die größten Dinge, auf die du je treffen wirst. Wenn du deine Angst nicht überwindest, wirst du nie wissen, wie es auf der anderen Seite ist. Wenn man über die Mauer der Angst geklettert ist, dann merkt man, dass man keine Angst haben muss.

Aladdin Gedik

Aladdin geht unaufhaltsam seinen Weg

Was ist dein Beitrag für die Verbesserung der Gesellschaft?
In der Zeit der Smartphones bringt der Stand-up die Menschen zusammen. Es ist ein Urinstinkt von Menschen, sich zu treffen und sich gegenseitig Geschichten zu erzählen. Heutzutage glotzen die Menschen in ihre Smartphones und wenn sie was witzig finden, ist keiner da, dem sie es erzählen können.

Wer sind deine Vorbilder?
David Chapelle und mein Lieblingsschauspieler Terry Crews.

Würdest du sagen, dass Armut kreativ macht?
Definitiv. Wenn jemand 900 Euro pro Monat vom Staat bekommt und halbwegs durchkommt, wird er weniger motiviert sein, sein Leben zu ändern, als jemand der nur 300-400 Euro pro Monat bekommt. Irgendetwas läuft gewaltig falsch, wenn du für Vollzeit 1200 Euro netto bekommst. Wer ist da noch motiviert, arbeiten zu gehen?

Abschließende Worte an unsere Leserinnen und Leser?
Wir alle sollten versuchen, unsere Vorurteile abzubauen. Kommt zu meinen Shows und bildet euch eure eigene Meinung. Die nächste Gelegenheit ist am 14.01. um 19:00 in der Kulisse Wien. Checkt mal meinen Podcast “Rattenschaschlik” ab. Ihr könnt auch virtuelle Liebe auf Instagram, Facebook und Youtube unter Aladdin Comedy hinterlassen.

weiterführende Links

FB Aladdin Gedik 

Soloprogramm Generation 2000

Instagram Aladdin Comedy

Youtube Aladdin Comedy

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