Ein schwimmendes Einhorn vor der Bühne, auf dem eine Handvoll Menschen reitet? So etwas gibt’s nur am Lake on Fire!

Keine zwei Stunden von Wien entfernt, kurz nach der Grenze von Nieder- zu Oberösterreich, liegt das idyllische Örtchen Waldhausen im Strudengau, wo jedes Jahr aufs Neue drei Freunde aus der Gegend ihrem Arbeits-Hobby nachgehen: nämlich dem Vergnügen, das Lake on Fire Festivals zu kreieren. Dies sorgt für übermäßige Freude, vor allem bei der jungen Bevölkerung der Umgebung. Endlich ist wieder etwas los am Nepomuksee.

Tag 1 – Es kann beginnen

In Waldhausen angekommen, weisen Schilder den Weg zum Campinggelände, das sich direkt in der Gemeinde befindet. Lebensmittelgeschäft und Badesee liegen keine 15 Gehminuten entfernt. Ebenso wie das Konzertareal, das über einen Schotterweg unter Bäumen, genau ein Bier oder einen Glimmstab lang entfernt, erreichbar ist. Dort präsentiert sich die auf dem Nepomuksee stehende elegante Rundbühne, das Zentrum des Spektakels, im Hintergrund die Begrünung rund ums Wasser und der Kirchturm.

Die einheimische Band Swanmay eröffnet den ersten Tag und spielt auch einen ihrer Songs: gleichnamig wie das Festival – Lake on Fire. Spätestens ab der vierten Band, The Cyborgs, lodert die Stimmung am See auf. Kein Wunder, denn die Zweimann-Band kommt aus einer apokalyptischen dunklen Zukunft ohne Musik, um mit ihren energiegeladenen bluesigen Riffs die Welt zu retten! Ihre Mission: Make the world dance! Offensichtlich werden sie dieses Unterfangen auch erfolgreich vollenden. Diese Band sollte man unbedingt gesehen haben!

Allerdings könnte es schwierig werden ihnen auf sozialen Plattformen zu folgen, wenn man nicht in der Lage ist Binär zu decodieren.

Nicht nur Italien ist somit am LOF vertreten, auch eine Überzahl an amerikanischen Interpreten ist erschienen. So auch Elder, die als erste Band schon zum zweiten Mal die Ehre erhielt, hier aufzutreten, obwohl sie danach direkt weiter nach Russland touren muss. Abgelöst wird die Band von Tides from Nebula aus Polen, die einen krönenden Abschluss der ersten Nacht liefern und die Menge mit ihrer melodisch-sphärischen Musik in Trance versetzt. Hazy Dawgs zusammen mit der Live-Visuals Produktion der Ufonauten bieten noch eine Aftershowparty für alle, die noch nicht genug haben.

© Thomas Hennerbichler

© Thomas Hennerbichler

Tag 2 – Nie allein

Selbst wer allein auf das kleine Lake on Fire kommt, wird wohl nie für sich sein. Das gut überschaubare Gebiet erzeugt ein familiäres Flair, bei dem man schnell Nachbarn und etliche andere interessante und freundliche Menschen kennen lernt. Wer am nächsten Tag noch keine Lust auf den ganzen Trubel hat, welcher schon ab 13:00 Uhr startet, geht einfach zum Badesee, wo man für 2,50 Euro das Grün der Wiese, das Wasser und Sanitäranlagen nutzen kann, um dem Kater entgegenzuwirken.

Alle anderen werden bereits wieder mit einheimischen Klängen von High Brian, Baguette und Mothers of the Land in Stimmung versetzt. Die Nachwuchstalente haben schon einiges zu bieten, bevor die Altbekannten, wie Acid King, Siena Root und das Highlight des Abends, Brant Bjork, auf die Bühne am See treten.

Hungrig nach mehr? Wer seinen Appetit noch nicht gestillt hat, geht einfach ins große Zelt und besorgt sich noch einen Happen zum Essen. Burger, Wraps, Pommes, das beste Linsen-Dal und noch mehr steht auf der Speisekarte. Wer jedoch erst später draufkommt, etwas zum Essen oder ein Erinnerungs-T-Shirt zu besorgen, wird wohl seine Probleme damit haben, denn die Anfrage am LOF ist groß. Deshalb sei rechtzeitig zur Stelle und erlebe ein großartiges Festival der anderen Art!

© Christoph Kaltenböck

© Christoph Kaltenböck

Alles in Allem – ein Rückblick

Wer einmal am Lake on Fire war, wird wohl wiederkommen, das merkt man schnell daran, dass viele alteingesessene Teilnehmer anzutreffen sind. Sie erzählen von den Anfängen des Festivals. Mit einem Lächeln im Gesicht behauptet einer von ihnen sogar: „Früher isch’s fast schu zum Kotzen perfekt gsi!“. Das Campinggelände lag die ersten zwei Male auf einem Hang mit Bäumen unterhalb der Kirche. Heuer diente ein Feld als Platz für Autos und Zelte. So bleibt die kleine Veranstaltung trotz des übersichtlichen Gebiets dynamisch und spannend, egal ob man schon oft hier war oder ein Neuankömmling ist.

Das Essensangebot war immer schon stabil und von herausragender Qualität. Der einzige Nachteil an den Ständen ist, dass Kärtchen, violett-rote für Essen und blaue für Getränke und Merchandising, im Wert von 10€ umgetauscht werden müssen, um etwas zu erhalten. Jedoch lässt sich hier jedes Problem mit ein wenig sozialem Kontakt schnell lösen. Ein weiterer Kontrapunkt in diesem Jahr war, dass leider gleich zwei Topacts, Rotor aus Deutschland und Ufomammut (ITAL), absagten und nur eine Band als Ersatz aufgetrieben werden konnte. Dadurch wurde das Lineup ein wenig verändert, was bei dem einen oder anderen vermutlich für ein wenig Verwirrung sorgte. Doch hier am LOF ist das alles keine große Sache, denn Parasol Caravan, die Vertretung aus Österreich, ließ nicht lange auf sich warten und rockte die Bühne. Zur weiteren „Wiedergutmachung“ spielten die Bands auch länger, als zuerst vorgesehen.

Für einen Preis von 55 Euro boten um die 200 Personen, bestehend aus 15 Bands, Technikern, freiwilliger Security, Cateringpersonal, Presse, Fahrern, Organisatoren usw., mit Sicherheit eines der Top Festivals in Österreich. Wohlbefinden, Mülltrennung und der gute Zweck werden hier großgeschrieben. So wird nach jedem zweitägigen Rocken individuell entschieden, in welchem sozialen Projekt die Spende aus den Einnahmen den größten Nutzen erzielt. Dabei wird auch auf die Regionalität von solchen Projekten und Vereinen Wert gelegt. Dass das Lake on Fire keine kapitalistische Veranstaltung ist, lässt sich leicht an der Freiwilligkeit vieler Mitarbeiter, der Bescheidenheit der Organisatoren, den vielen Bands, die dankbar hier auftreten, und natürlich auch daran erkennen, dass der Gewinn immer in ein soziales Projekt fließt.

Das fantastische Essen, die großartige und vielseitige Musik sowie die äußerst liebenswerten und interessanten Menschen – einfach alle Bereiche am LOF – bilden eine einmalige Kombination und machen es zu einem Ohrenschmaus für jeden Stoner Rocker. Es wäre ein großer Rückschlag, würde das Festival seine Kapazitäten sprengen und zu groß wachsen. Lieber sollte das Lake on Fire Kinder in die Welt setzen, die letztere verbessern und erträglicher machen. Hoffen wir, das LOF möge noch lang so existieren wie es ist!

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