Der 10. Wiener Weinwandertag 2016: Oder wie ich mich nach einem intensiven Wochenende regeneriere.

An einem herbstlichen Sonntag die Wiener Weinberge besteigen, sich mit Wein laben und die Zeit mit lieben Menschen an der frischen Luft verbringen: So könnte das ideale Programm aussehen, um mein übers Wochenende durchgefeiertes Gehirn wieder in Schwung zu bringen. Solcherart waren meine Gedanken, als ich vergangenen Sonntag mit meiner Freundin und ein paar Kumpels zum 10. Wiener Weinwandertag nach Döbling unterwegs war.

Der Bus nach Salmansdorf brachte uns in 15 Minuten von der U6 Station Nussdorferstraße zum Beginn der dionysischen Wanderroute. Wir freuten uns auf Bewegung, Wein und Essen. Zugegeben, das Wetter hätte ein bisschen freundlicher sein können, aber zumindest regnete es am Nachmittag noch nicht. Nach einem Anstieg von etwa 5 Minuten fand man schon die ersten Labestationen vor, wo lokale Weinbauern Wein, köstliche Schmalzbrote und andere Schmankerln feilboten. Hinsichtlich der Preise und der Qualität mussten wir bald feststellen, dass es durchaus Unterschiede gab. Einen weißen Spritzer bekam man von 1,50 € bis 3 €, bei belegten Broten konnte man mit einer ähnlichen Preisschwankung rechnen. Doch die 10,8 Kilometer lange Wanderung von Neustift bis Nussdorf sollte sich allemal auszahlen und uns als schönes Erlebnis in Erinnerung bleiben.

Mit 612 Hektar Rebfläche ist Wien die einzige Millionenstadt der Welt, in welcher Weinbau ein nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor darstellt. Im 19. Gemeindebezirk werden auf den unterschiedlich kalkreichen Böden Riesling, Chardonnay und Weißburgunder hergestellt. Wiener Gemischter Satz ist ein aus 20 verschiedenen Rebsorten bestehender Weißwein, der bereits internationale Anerkennung gefunden hat und als prominentester Wein aus der Wiener Weinbauregion gilt.

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Unter freiem Himmel sind die Gedanken irgendwie freier, als diese es sonst sind. Nach der schlechten Luft in den Clubs und den gefühlten 2000 Zigaretten, die ich mir in der Nacht zuvor gegönnt hatte, war dieser Herbstspaziergang das Wohltuendste für Körper und Geist. Schlechte Laune und Kopfzerbrechen aufgrund kleiner Alltagsprobleme oder Herausforderungen lassen sich oft genug auf wundersame Weise zer-gehen. Auf den Wiener Weinbergen lustwandeln und kultiviert tschechern, was kann es Schöneres geben?

Während der Durchschnittsmensch täglich auf etwas mehr als 1000 Schritte kommt, also circa 700 Meter, empfiehlt die WHO täglich 10,000 Schritte zu gehen, also annähernd auf 7 Kilometer zu kommen. Gehen verbessert nachweislich die Blutwerte, hilft Stress abzubauen, verbessert die Knochendichte und kurbelt das Herz-Kreislaufsystem an. Eine weitere Belohnung erwartet dich nach der Weinwanderung, wenn man angenehm müde geworden ist und abends nach Hause kommt. Ein tiefer, erholsamer Schlaf, der mich am nächsten Tag putzmunter und fit in die neue Arbeitswoche entließ, war das Dankeschön für meine Flucht in die Wiener Peripherie.

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