Nachdem der letzte Winter in Wien ja gar kein richtiger Winter war, hat er sich heuer wohl in einer Art Bringschuld gesehen und hat uns auf den letzten Metern so richtig viele beschissene kalte, nasse und Depressions-fördernde Tage beschert.

Meine Exit-Strategie für diesen ganz und gar ungemütlichen Umstand war, dass ich ich kurzerhand alle Doom/Stoner/Sludge Konzerte in der Arena besuchte und diese dunklen Spätwinterabende ganz relaxed vor zugestickerten Bassboxen im Schwall von Rauchschwaden und auf der Bugwelle der tiefer gestimmten Instrumente über mich ergehen lassen hab.

Oozing Wound

Oozing Wound

Zuerst hab ich mir den Gig von SALEM’S POT und MONOLORD gegönnt. Und was für ein Einstieg das war. SALEM’S POT haben mit düsteren Horror-Vintage-Rock, der sich mittels Vibrato-Orgel so richtig tief in die Gehörgänge wuselt, den Abend eröffnet. Und nachdem im Kopf alles ein bisschen verknotet war, haben MONOLORD die Klinkenstecker in ihre Äxte gestopft und im gleichen Moment ein Tieffrequenz-Inferno auf die Trommelfelle losgelassen, so dass sofort klar war:  Ohrstöpsel sind lebenserhaltende Maßnahmen.

Ein paar Tage später stand ich dann wieder vor der der altbekannten Bühne, diesmal war OOZING WOUND dran. Mit ihrem schnellen Thrash Metal vielleicht ein kleines bisschen schwerverdaulich, aber irgendwann bin ich dann auch in den Groove gekommen, nachdem sich meine Nackenmuskulatur erst so richtig gelockert hat.

Ganz krass war der Abend, an dem RUSSIAN CIRCLES, SLEEPMAKESWAVES und TIDES FROM NEBULA gespielt haben. Fünf oder Sechs Bands haben an diesem Abend das Publikum beglückt. Die kleine Halle war dermaßen zum Bersten voll, dass die Leute das Konzert sogar von außen, durch die geöffnete Doppelschwingtür hindurch, unter regnerischen Himmel verfolgt haben. Soundmäßig war alles ein bisschen spaciger, luftiger, weniger brachial als die Abende zuvor und haben recht erfolgreich die bösen Wintergeister – mit etwas mehr Dur als Mol – vertrieben.

Arena - Halle, Concert, Metal, Noisey, Post Rock, Tides From Nebula_15

Tides from Nebula

Ich gehe durch den Regen hinüber in die große Halle. Dort haben sich die RUSSIAN CIRCLES eingefunden um als Head-Head-Headliner den Tag zu vollenden. Ein gelungener Abklang auf den ver-doomten März. Der Sound hatte sich geöffnet, die Bühne war nicht mehr klaustrophobisch klein, das Licht machte Stimmung. Langsam beschlich mich das Gefühl, dass der Frost der vergangenen Monate bald mal der Vergangenheit angehören könnte.

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