Fischen heißt für Raphael Gasser, in der Natur zu sein, sie zu erleben und zu verstehen. Oft auch Zeit mit guten Freunden zu verbringen, am Lagerfeuer zu sitzen, zu philosophieren und im Idealfall gemeinsam den Fischen auf die Schliche zu kommen. Das Erlebnis, und nicht das Ergebnis steht im Vordergrund.

Unsere Welt dreht sich immer rasanter, unsere Gesellschaft ist vernetzt wie nie zuvor. Die Zeit fliegt nur so vorbei und es scheint, als ob sie von Tag zu Tag noch an Fahrt aufnimmt. Viele fallen in einen Alltagstrott. Andere versuchen sich von der Last und dem Druck der Gesellschaft freizumachen, finden Freude an den einfachsten Dingen im Leben, genießen das Leben in der Natur, das Leben im hier und jetzt. Die Rede ist hier von einem Hobby, dem sich in den letzten Jahren immer mehr Leute verschreiben – dem Karpfenangeln.

Karpfenangeln bedeutet, die Natur zu respektieren, sie zu lieben, zu Lesen und in Einklang mit ihr zu leben. Dieser stille Sport lehrt uns, sich dem Rhythmus von Tag und Nacht hinzugeben, das Leben zu schätzen und das Leben zu schützen. Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu verstehen. Ein guter Angler schärft seine Sinne, er lernt das Wasser zu lesen und die besten Fangplätze zu lokalisieren. Er erkennt, in welcher Situation er welche Ausrüstung benötigt und welcher Köder den meisten Erfolg bringen wird. Dafür sind Instinkt und Leidenschaft an der Sache unabdinglich. Karpfenangler zu sein bedeutet, an etwas zu glauben, für etwas zu brennen und sich völlig hinzugeben.

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How much is the Fish?

Dieses Hobby könnte facettenreicher wohl nicht sein. Manche lieben die Angelei an den heimischen Schottergruben und Badeseen, andere angeln am liebsten in Flüssen, Bächen und Kanälen und andere lieben die beeindruckende Größe der riesigen Stauseen im Ausland. Jedes dieser Gewässer birgt seine eigene kleine Herausforderung und lädt den Angler zu einem kleinen Abenteuer ein. Jedes Gewässer erfordert eine eigene Herangehensweise, anderes Material und ein eigenes Maß an Hingabe. Fischen führt uns zu den schönsten Plätzen unserer Erde. Denn Angeln beschränkt sich nicht auf die Grenzen Österreichs oder Europa. Jährlich pilgern tausende Karpfenangler in Länder wie Frankreich, Italien und Spanien. Manche nehmen noch viel weitere Strecken auf sich und besuchen Gewässer in Marokko, Gran Canaria oder den USA. Viele lieben es, das Angeln mit dem Reisen zu verbinden und so neue Erfahrungen zu gewinnen.

“Ein guter Angler schärft seine Sinne, er lernt das Wasser zu lesen und die besten Fangplätze zu lokalisieren.”

Die Natur, die Landschaft und die Gewässer unterscheiden sich gerade im Süden in allen Belangen sehr von denen in Österreich oder Deutschland. Eine gelungene Angelsession lässt sich nicht an der Anzahl der gefangenen Fische festmachen. Es gibt so viele Variablen, die den Erfolg einer Session bestimmen. Obwohl ein Tag ohne Fisch nicht gleich ein verschwendeter sein muss, steht der Karpfen doch etwas im Mittelpunkt. Viele Angler verfallen diesem Fisch, da keiner dem anderen gleicht und jeder auf seine eigene Art ganz besonders ist. Eine solche Vielfalt gibt es so bei keinem anderen Fisch in unseren Gefilden. Es gibt viele verschiedene Stämme, Zuchtarten und Formen dieses Fisches. Es gibt die „klassischen“ Schuppenkarpfen, Spiegelkarpfen, Lederkarpfen, Fully Scaled oder die mit dem eigentlichen Karpfen nicht verwandten Graskarpfen. Neben diesen Arten hat so gut wie jeder Fisch ein einzigartiges Schuppenbild, eine spezielle Körperform und auch einen eigenen Charakter.

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Wer flucht, fängt keine Fische

All diese Dinge machen das Karpfenangeln zu einem ganz besonderen Hobby, das einen den Alltag vergessen und der kleinen Dinge im Leben bewusst werden lässt. Viele denken beim Angeln immer noch an „stundenlanges hinter den Ruten sitzen.” Im Vordergrund steht jedoch das bewusste Erlebnis in der Natur. Deshalb erfährt dieses Hobby in den letzten Jahren immer mehr Zuwachs.

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