Der FC St. Pauli in Hamburg steht für eine Willkommenskultur und handelt damit auf eine Art und Weise, die den Club schon seit Jahrzehnten ausmacht. Der Verein hat es dazu gebracht, nicht wegen seiner Erfolge geliebt zu werden, sondern um seiner selbst willen. Was dieses “Selbst” ausmacht, erzählt uns Christoph Nagel, Redakteur der offiziellen Stadionzeitung VIVA ST. PAULI in einem Interview.

FC St. Pauli – Der Ball und die Politik

Fußball ist politisch und nirgends ist das deutlicher zu sehen, als bei den Kickern vom Kiez. Politische Themen halten in unterschiedlichste Art Einzug in das Stadion und in die Gegengerade. Fast der ganze Stadtteil St. Pauli drückt seine politischen Haltungen und Ansichten im Fußballstadion aus. “Solidarität mit den Sexarbeiterinnen in St. Georg” ist auf einem Transparent zu lesen, eine Fahne mit dem Aufdruck “Fight Sexism and Homophobia” wird geschwenkt. St. Pauli gegen Rechts – das ist selbstverständlich. Und nicht nur der Fanblock, sondern auch die Kicker selbst politisieren – jüngst mit einer Aktion im Rahmen von „REFUGEES WELCOME“. Während eines Testspiels gegen den BVB Dortmund wurden Hunderte Flüchtlinge eingeladen – eine Geste der Willkommenskultur und Solidarisierung.

“Der FC St. Pauli wäre heute nicht das, was er ist, wenn die Häuser der Hafenstraße nicht besetzt worden wären „

Der FC St. Pauli war in den 70er Jahren ein bürgerlicher Fußballverein. Erst durch die Besetzung der Häuser in der Hafenstraße durch Autonome, Linke und Anarchisten änderte sich das. Den die munteren Hausbesetzer gingen zum Fußballschauen in das Stadion am Millerntor und übernahmen aus dem Fanblock heraus die Gegengerade – die ersten Totenkopfflaggen wehten. „Es geht sowieso nicht anders, Politik ist im Stadion und das wird hier erkannt und aktiv genutzt“, meint Christoph Nagel – der übrigens mit seinem Museum für den FC St. Pauli, eine Polizeiwache mit über 600 qm –  die zufällig sogenannte Goliathwache – verhindert hat. Auch wenn man kein Fußballfan ist, der Besuch eines Spiels im Millerntorstadion in St. Pauli lohnt sich allemal. Eine Atmosphäre wie auf einer Demonstration. Ein breites Spektrum politischer Themen auf durchs Stadion fliegenden Transparenten. Und letztlich muss das Runde natürlich ins Eckige.

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