Da ist es wieder: Das Gefühl der Erleichterung, des Genusses, des Durchatmens. Monatelang ist man Jäger, nie aber Sammler, hört sich unzählige Platten an. Manche gut, andere weniger gut. Doch es fehlt immer irgend etwas. Mal sind die Gitarren zu lahm, mal nerven die Vocals. Ganz nett, durchaus okay, aber nie wirklich befriedigend. Doch das Leben ist zu kurz um sich mit Belanglosigkeiten auseinanderzusetzen.

Wie ein Junkie schleppt man sich also von Release zu Release, von Youtube-Videos zu Bandcamp-Playlisten, stets in der Hoffnung endlich den ersehnten Stoff zu kriegen. Denn man will Premium-Qualität haben. Und wenn man sie dann endlich findet, durchzuckt der Konsum den ekstatisch zitternden Körper. MOMENTUM aus Island sind pures Heroin für die Gehörgänge. Das Trio aus der isländischen Hauptstadt Reykjavík ist nicht unbekannt. Im Jahr 2003 gegründet, unterzeichneten sie wenig später beim renommierten norwegischen Label “Dark Essence Records” (Helheim, Taake, Aeternus) und veröffentlichten drei Alben und eine EP. Fette Gigs, u.a. auf dem Inferno Festival, dem Roadburn Festival und auf dem isländischen Ausnahme-Festival „Eistnaflug“, sprechen für sich. „Fixation, at Rest“ markiert das zweite Studioalbum der isländischen Band und wurde bereits 2010 veröffentlicht. Das ist jetzt natürlich schon eine Weile her. Da es das Album allerdings geschafft hat, mich in die Eingangs erwähnten, orgasmatischen Zustände zu versetzen, ist eine Rezension dieses Meisterwerks unumgänglich. Inzwischen haben MOMENTUM ein weiteres Langeisen mit dem leider etwas einfallslosen Titel „The Freak is alive“ veröffentlicht. Dieses werden wir in einem gesonderten Review besprechen.

Momentum aus Island haben sich dem Doom verschrieben.

Momentum aus Island haben sich dem Progressive Metal verschrieben.

MOMENTUM bezeichnen ihren Stil als progressiven Doom Metal der surreal und psychedelisch daherkommt. Ironischerweise erinnert mich MOMENTUMs Musik schwer an die deutschen ISLAND, jenes progressive Projekt der bekannten Mucker Florian Toyka und Christian Kolf, die mit ihrem Kollektiv „Zeitgeister Music“ schon im Jahr 2003 jegliche musikalische Barrieren durch ihre innovativen Veröffentlichungen (Klabautamann, Woburn House, Valborg, Owl) überwunden haben.

Doch anders als Ihre Kollegen aus Deutschland, schaffen es MOMENTUM eingängigere Songs zu schreiben, die aber dennoch nichts an ihrer Progressivität einbüßen. Die herunter gestimmten Gitarren klatschen in doomiger Manier wie ein nasser Lappen in den Nacken. Der Gesang ist extrem abwechslungsreich: Lange Death-Metal Growls ufern in langen, cleanen Klagerufen aus. Ein wenig Melvins, ein bisschen Machine Head – dann plötzlich alte Bush. Jeder Song hat seine gesangliche Überraschung. Der Gesang untermalt die emotional aufgeladene Atmosphäre grandios. Ein Vergleich zu den norwegischen Virus ist ebenfalls unumgänglich. Insbesondere der Anfang zum vierten Song „Red Silence“ verdeutlicht diesen Vergleich. Allerdings sind MOMENTUM bei weitem atmosphärischer als ihre norwegischen Weggefährten. Die bereits angesprochene Emotionalität wird durch cleane Gitarren-Lines, Off-Beats und irre Samples dermaßen auf den Höhepunkt getrieben, dass man sich nach dem Genuss von „Fixation, at Rest“ erst mal hinlegen möchte, um dem letzten Wort des Albumtitels die Ehre zu erweisen. Die Gitarren wechseln immer wieder zwischen klassischen Doom-Riffs und Postrock-Akkorden, allerdings sind Letztere nie zu verspielt oder dudelig. Die Isländer schaffen es, eine wunderbare Symbiose aus Doom Metal, Progressive Rock und Postrock zu kreieren.

Mit dieser, aus Samples als auch Piano- und Violinen-Parts generierten, Atmosphäre könnte das Album auch problemlos die Untermalung zu einem dieser typisch melancholischen skandinavischen Spielfilme sein.

Der Titeltrack des Album, mit ohnmächtiger, fast zehnminütiger Spielzeit, bringt dann zum Abschluss nochmal die gesamte Essenz dieses grandiosen Albums zum Ausdruck. “Fixation, at Rest” hat alles, was das Herz eines jeden Postrockers befriedigen könnte. Besonders Liebhaber atmosphärisch-emotionaler, groovig-melancholischer Klanggewalten, werden bei diesem Album voll auf ihre Kosten kommen. Ich bin begeistert!

Anspieltipps: „Fixation at Rest“, „Red Silence“, „Metamorphose“

Video

Hier noch ein Video das euch ein wenig hinter die Kulissen der Produktion blicken lässt.

Links

Hört das Album auf Bandcamp

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