Ritterrüstungen liegen wieder im Trend. Die deutsche Mittelalter-Rock-Band Feuerschwanz meldet sich diesen Sommer mit einem neuen Album zurück.

Auf der Zugbrücke des deutschen Mittelalterrocks landet man schnell ungewollt im Burggraben. Lahme Klischees, wieder und wieder verwendete Thematiken, E-Gitarren kombiniert mit den obligatorischen folk-angehauchten Instrumenten – schnell klingt man wie die Genregiganten In Extremo oder Schandmaul. Feuerschwanz gehen zwar den instrumental traditionellen Weg – allerdings wird auch für das bislang achte Album der Ritterrockraubeine die glänzende Rüstung mit dem Narrenhut gepaart, was wie gewohnt zu einem kurzweiligen, erfrischenden Ergebnis führt. Tatsächlich sind die Vergleiche mit dem Rest der Mittelalterszene vielleicht auch nicht berechtigt, am ehestens lassen sich Parallelen zu Korpiklaani oder Alestorm ziehen, hauptsächlich auf textlicher Ebene. Es wird gesoffen, geschubst und gefeiert, der Kater am Tag danach fällt allerdings überraschend erfreulich aus.

Methämmer

Das als ,,Methämmer‘‘ betitelte Album bietet eine gewisse Themenvielfalt, von Tanz- und Saufliedern [,,Schubsetanz‘‘; ,,Die Hörner hoch‘‘; ,,Lustprinzip‘‘] über bissig-humoristische Stücke mit üblichem Feuerschwanzspäßen [,,Methämmer‘‘; ,,Prinzessin‘‘] bis hin zu sanfteren, balladenartigen Klängen und Texten [,,Kinder im Geiste‘‘; ,,Ein Held ist gebor’n‘‘]. Allerdings können bei konstanter hoher Qualität insbesondere die härter und schneller ausfallenden Songs – wie etwa ,,Schubsetanz‘‘, ,,Die Hörner hoch‘‘, ,,Wikingerblut‘‘ und ,,Operation Drachensturm‘‘ – überzeugen. Feuerschwanz zeigen besonders in diesen Tracks, wie viel Energie in dem Projekt steckt, eine der großen Stärken der Künstler aus Erlangen.

Die zweite, inhaltlich zusammenhängende Hälfte des Werkes: Eine lose Geschichte, welche von göttlicher Rache, epischen Helden und der geheimen, an Illuminati und Freimaurerlogen angelehnten Liga des Mets handelt. ,,Bringt den Hammer an die Macht!‘‘. Der Clou ist [zu entnehmen dem Promo-Text des Albums], dass es sich bei dieser Liga um eine Art Meta-Geheimbund handelt, also demnach Mitglieder davon unerkannt auf andere Geheimbünde verteilt sind – die Liga ist geheimer als geheim! Ein netter Erzählkniff, um Verschwörungstheorien und Theorieverschwörer auf den Arm zu nehmen.
Die anfangs angesprochene Erzählung spielt sich hauptsächlich ab Track sieben ab, beginnend mit ,,Der Geschichte Pfade‘‘. Den Kern der Story bildet der Song-Dreiteiler ,,Krieger des Mets‘‘, welcher hauptsächlich aus spoken word-Parts besteht und mit insgesamt drei Minuten arg kurz ausfällt – davon zukünftig gerne mehr, und länger.

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Unter den 15 Titeln sollen besonders drei Kernstücke genannt werden: ,,Schubsetanz‘‘; ,,Die Hörner hoch‘‘ und ,,Operation Drachensturm‘‘.

,,Ein bisschen schlagen und wieder vertragen!‘‘ – selten laden Musiktitel so offensichtlich, konsequent und unwiderstehlich zum für die Fans härterer Musik traditionellen Moshen und Pogen – hier als ,,Schubsetanz‘‘ bezeichnet – ein. Eine einprägsame Melodie erklingt einsam aus dem Lautsprecher, gleich darauf setzt der harte Gitarrenriff ein. Das in der zweiten Strophe präsentierte Bild einer pogenden Hochzeitsgesellschaft ist nicht nur sprachlich geschickt und äußerst unterhaltsam verarbeitet worden, es passt auch hervorragend in die überlagernde Thematik der ersten Albumhälfte – die textliche Kombination von Tradition und Moderne. Wenn in den anderen Titeln, etwa ,,Prinzessin‘‘ die Rede vom gefürchteten ,,Wellnesswochenende für Zwei‘‘ ist und ,,Methämmer‘‘ erklärt ,,drum schnallen wir die Helme um, aus reinem Aluminium‘‘, scheint eine derartige Unterteilung durchaus gerechtfertigt.

,,Die Hörner hoch‘‘ lässt sich als typisch feuerschwänziges, balladesques Trinklied verstehen. Harte Gitarren, tragender Rhythmus und Melodie, die beide zum Mitwippen und Schaukeln drängen, sowie ein Mitgröhl-Refrain, bei dem man beinahe schon den Bier- oder Met-Atem des Nachbarn riechen kann. ,,es klingt radikal / doch ein volles Horn ist mein heiliger Gral‘‘. Doch auch der Humor kommt bei aller Ernsthaftigkeit des berauschenden Liedes nicht zu kurz ,,sollte ich fallen / weint keine Träne um mich / sagt meinen Freunden, ich hab tapfer gezecht‘‘, was eine geniale Umdichtung der Manowar-Schnulze ,,Warriors Of The World‘‘ darstellt: ,,if I should fall in battle my brothers who fight by my side / gather my horse, and weapons / tell my family how I died‘‘.

Der dritte Titel, ,,Operation Drachensturm‘‘, entstammt der zweiten Hälfte, die wie bereits erwähnt, durchaus als Konzeptalbum[hälfte] verstanden werden kann. Wenngleich textlich nicht unbedingt eine Meisterleistung, lässt das vorgegebene Tempo keine Zeit zum Verschnaufen, der symphonisch inspirierte Refrain, der schon am Anfang des Tracks kurz angespielt wird, passt ebenso ins Gesamtkonzept wie die gelungenen instrumentalen Passagen. Kein anderer Titel auf dem Album vermittelt eine ähnlich epische und drängende Stimmung wie die Hymne der attackierenden Feuerspucker, die Schlacht spult sich fast unweigerlich vor dem geistigen Auge ab, und lässt einen mit dem Wunsch nach mehr Drachen-Epik zurück.

Zusammenfassend wie im Review angesprochen – liegen die Stärken der ritterlichen Tunichtgute definitiv in Tempo und Härte. Während auch die Powerballaden wie ,,Die Hörner hoch‘‘ mit unwiderstehlichen Refrains und zartschmelzenden Melodien zum Wiederhören einladen, bleiben besonders rifflastige Tracks wie ,,Operation Drachensturm‘‘; ,,Wikingerblut‘‘ und ,,Schubsetanz‘‘ längerfristig im vom Helm bedeckten Gehörgang hängen. Für den zünftigen Met-Rausch ist dieses Album der bevorzugte Soundtrack.

Infos und weiterführede Links

Feuerschwanz FB

Feuerschwanz Official

Label Famerecordings

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