Am Lake on Fire Festival in Waldhausen im Strudegau haben sich Stoner-Schwergewichte wie Red Fang, The Atomic Bitchwax oder Colour Haze die Klinkenstecker in die Hand gedrückt.

In Österreich sind derart einschlägige Veranstaltungen leider eher weniger weit verbreitet. Darum freut es einen Stoner Rock und Doom Aficionado um so mehr, wenn gleich ums Eck von Wien im idyllischen Örtchen Waldhausen im Strudegau ein Festival losgetreten wird, das – vor allem in Anbetracht seiner Größe –  in Sachen Line-up ein goldenes Händchen bewiesen hat.

Am Hang der, das Ortsbild dominierenden, Stiftskirche liegt der “Nepomuk”-Teich, dessen kühles Nass in den nächsten zwei Tage ernsthaft Gefahr läuft einfach zu verdampfen – denn die Bühne ist gleichsam einer sound-emittierenden Insel im Wasser angelegt. Das beschert diesem Festival dann natürlich schon ein Feature, welches man bei vielen anderen Festivals vergeblich sucht – einen Wassergraben vor der Bühne.

Feuchtgebiet

Jetzt hat diese Todeszone für Elektronik zwar den überaus erfreulichen Mehrwert, mit dem Paddelboot vor der Bühne herumdümpeln zu können. Doch machte es das Wissen – ein falscher Schritt oder Ausrutscher katapultiert einen in den finanziellen Ruin – das Fotografieren vor der Bühne nicht unbedingt entspannter. Aber davon lies man sich am besten gar nicht berühren. Denn schliesslich war die Mission: Das grandiose Bühnenspektakel in den Kasten zu bekommen.

Und darum gehts auch

Das Line-Up war über jeden Zweifel erhaben. Red Fang, TAB und Colour Haze habe ich schon erwähnt. Viele weitere, auch unbekanntere, Acts haben sich am Teich eingefunden um ihre Stücke zum Besten zu geben. Wie etwa die Isländer The Vintage Caravan oder die komplett durchgeknallten Kroaten von Seven That Spells. Keine einzige Band entäuscht. Manche brauchen vielleicht noch ein paar Jahre um ihren Sound zu finden – aber es ist definitiv ein gutes Zeichen wenn der Nachwuchs der Szene nicht ausbleibt.

Alles locker

Alles geht ganz easy ab, kein Stress, keine Reizüberflutung – alles hang’t loose. So wie man sich den Idealzustand eines Stoner Rock Festivals vorstellt. Hier springt mal einer nackt vor der Bühne im Wasser rum, da drüben wird wildestens geheadbangt und andernorts wird vielleicht mal die Brechfeder konsultiert – aber die Athmosphäre bleibt besonnen und der Wahnsinn weit unter dem Niveau des unsexy Schäfchen-Anarchismus mit destruktiver Ader wie er auf den großen Festivals des Landes zelebriert wird.

Was dem Festival vielleicht etwas abgeht, wäre eine bessere Auswahl an Speisen – aber viel mehr als Bier und eine obligatorische Softdrink-Alternative brauchts dann im Endeffekt eigentlich auch nicht. Immerhin ist der Camping Bereich, der entweder ein paar Minütchen entfernt auf einer großen Wiese oder direkt am Hang des Stifts gelegen ist, von guten und gemütlichen Menschen bewohnt, die dir nicht aufs Zelt pissen oder laut gröhlend überhaupt gleich in selbiges reinhüpfen. Grillen und Chillen ist hier die Devise.

 

Klein aber fein

Das Stoner Rock Milieu ist jetzt vielleicht nicht das zahlenmäßig populärste Rockgenre – aber dafür kommt auch ein Gemeinschaftsgefühl auf – wie es sich für eine ordentliche Underground-Sache gehört. Man eckt kaum an, nimmt gegenseitig Rücksicht und bekommt immer eine Tschigg geschnorrt, wenn mal Not am Mann ist. Musikalisch betrachtet ist das Volk sehr durchmischt. Den archetypischen Stoner Rock in dem Sinne, gibt es  ja auch gar nicht. Dieses Ecke Universum der verzerrten Gitarren Musik ist durchsetzt von doomigen, progressiven, teils auch melancholischen und vor allem tiefen Klängen. Elektronische Elemente sucht man vergebens – schwingende Seiten und Drumheads sind King.

Nach all dem bleibt nur zu konstatieren: Das Lake on Fire hat sich vor allem fest in meinem jährlichen Festivalkalender verschweisst – und ich kann jedem, der sich ein gelassenes und exzellent beschalltes Rockfestival zu Gemüte führen will, empfehlen sich mal dieses Kaff im Waldviertel näher anzuschauen.

Und den Rest lass’ ich jetzt mal die Bilder erzählen:

 

 

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