Warum lässt man sich eigentlich tätowieren? Zur Zierde? Weil man eine Wette verloren hat?  Bekanntlich währt nichts ewig, mit der Ausnahme von Kunst. Ob ein Tattoo eine Kunstform ist oder nicht, darüber lässt sich streiten – genauso über Geschmack. Mit Sicherheit kann man nur sagen, dass jede Tätowierung eine Geschichte erzählt, mag diese noch so banal sein. Wir haben da mal etwas nachgebohrt, was sich hinter diesen bunten Häuten versteckt.

Lisa K. begann im zarten Alter von 16 damit, ihren Körper zu verschönern. Insgesamt zieren sich sieben verschiedene Motive über ihren Körper hinweg, einige davon sind miteinander verbunden. Mit 18 ließ sich Lisa ein Drachentattoo rund um ihren Oberarm stechen: „Das war ein Tauschgeschäft – ich hab dem Tätowierer meinen alten Subwoofer geschenkt und dafür hat er mir dieses Tattoo verpasst.“ Der Vorschlag kam vom Tätowierer, Lisa ging darauf ein, weil sie ohnehin vorhatte, sich eine neue Anlage für ihr Auto zu gönnen. Solche Gelegenheiten lässt sich die Frau nicht entgehen. „Ich entscheide sowas eher spontan“, schildert sie achselzuckend.
Einen Fleck ihres Körpers – nämlich am Handgelenk – hat Lisa ihrem Sohn gewidmet. In römischen Zahlen hat sie sich sein Geburtsdatum verewigen lassen. Auf die Frage, wie viele Tätowierungen sie sich denn noch wünsche, antwortet sie gelassen: „It’s a never ending story. Einmal angefangen, kommst du nicht mehr los.“

Aus 3 mach 1 – der Albtraum unter den Tätowierern

Es gibt Motive, von denen jeder Tätowierer träumt: schlicht und unkompliziert, frei von jeglichen Extrawünschen. So läuft es allerdings nicht immer ab. Elisabeth L (Name wurde geändert) macht es vor: „Ich ging zu meinem Tätowierer und erklärte ihm, was ich haben will. Das war für ihn ein Horror, weil ich drei komplett unterschiedliche Aspekte vereinen wollte.“ Ihr Motiv ließ sie sich extra anfertigen, dieses Unterfangen dauerte einige Monate. Immerhin sollte es zu hundert Prozent Elisabeths Vorstellungen entsprechen. Die Rose ist ein Gedenken an ihre verstorbene Mutter. Die Flammen, die mit dem Pferd eins werden, symbolisieren Elisabeths erstes verstorbenes Pferd. Dessen Name bedeutet übersetzt soviel wie das Element Feuer, daher hat sie sich für die Flammen als Symbol entschieden. „Darauf bin ich erst nach dem Tod meines Pferdes gekommen“, so Elisabeth. „Das Pferd selbst steht für mein Leben und für meine Pferde, die mir alles bedeuten. Ich habe alles, was mir in meinem Leben wichtig ist verbunden.“ Hinter diesem Bild versteckt sich also weit mehr, als für das bloße Auge sichtbar ist.

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Tattoo 2.0: Let’s get a new try, it can’t get worse

Jaja, viele Tattoovorlagen haben einen tiefgründigen, emotional überladenen Sinn. Wohlgemerkt sei jedoch, dass sich nicht jedermann so intensiv mit seinem Wunschmotiv auseinandersetzt. Daran ist auch überhaupt nichts auszusetzen. Manche gesegneten Wesen wissen einfach, was sie wollen und zu ihrem Glück ändert sich auch nie etwas daran. Allerdings gibt es auch jene, die mit dem Trend ziehen und diese Entscheidung später bereuen, so auch Heinz M. Eines seiner ersten Tätowierungen war DAS Tattoo der 90er Jahre. (Zum Glück) haben wir diese Zeit hinter uns gelassen, wenigstens ein paar von uns davon verschont geblieben.
Jedenfalls hatte Heinz eine gute Lösung parat, als er irgendwann sein Tribal nicht mehr als cool empfand. Sein Bruder ist nämlich ein ziemlich talentierter Tätowierer im Burgenland (unter dessen Nadel ich sogar schon meinen eigenen mir heiligen Körper gelegt habe). Er unterbreitete Heinz den Vorschlag eines Cover-Ups: „Ich wolte es mir zuerst weglasern lassen, weil es leider nicht gut gemacht war. Aber mein Bruder hat mich dann auf diese Idee gebracht.“ Sein Bruder hat ihm schließlich ein neues Motiv gestochen. Hinter dem neuen Tattoo steckt zwar keine tiefe Bedeutung, aber zugegeben – der Buddha sieht einfach klasse aus und erfüllt seinen Zweck. Außerdem hat  Heinz die Namen seiner beiden Kinder ins Motiv integriert, was schon rührend ist.

Fazit: Tätowierungen sind eine Kunstform, eine Ausdrucksform, einfach Körperkunst. Man muss nur genau hinschauen. Manchmal sind sie aussagekräftig; hin und wieder verbirgt sich hinter den Nadelstichen mehr, als der erste Eindruck vermuten lässt. Und manchmal ist kein tiefer Sinn hinter den Bildern, sondern dienen rein der Zierde des eigenen Körpers und sieht einfach geil aus. Oder eben auch nicht. Der eine grübelt monatelang, bevor er sich unter die Nadel legt und bereut diesen Schritt später trotzdem, der andere lässt sich volltrunken anfärbeln und kann mit dieser Entscheidung gut leben. Sterben müssen wir sowieso, warum dann nicht bunt und vom Leben gezeichnet – oder besser gesagt von der Nadel?

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