Er steht auf Boom Bap Beats und mag kein Autotune. Er mag es gerne pur. Geenius aka Balkan G ist ein Wiener Rapper mit serbischen Wurzeln. Seit über 15 Jahren macht er Musik und überrascht die österreichische Rap-Szene mit soliden Texten und gutem Flow. Delay Magazine hat sich mit dem motivierten jungen Mann in seiner Crib getroffen und ein Gespräch über seine Musik, die Rap-Szene  und das Champions League Finale geführt.

Hallo Geenius! Wie geht’s?

Danke, gut.

Lass uns mal über deinen Sound reden: Wie und wann hast du eigentlich angefangen Musik zu machen?

Bei mir hat das alles mit Freestyle-Sessions begonnen. Zuerst hab ich mit Freunden nur rumgeblödelt. Später dann im Alter von 15 Jahren hab ich dann ernsthaft Tracks aufgenommen. Ich weiß nicht, ob du Beogradska Dzungla kennst. Das war meine erste Crew. Danach kam Asyl Musik Records. Da hatten wir versucht so ca. vier bis fünf Jahre was weiterzubringen. Aber es war ziemlich unorganisiert. Keiner hatte einen Plan, wie irgendwas gehen sollte. Wir waren alle aus den verschiedensten Nationen und machten Musik zusammen. Gemeinsam mit meinem Cousin, der traurigerweise letztes Jahr verstorben ist, sind einige Tapes entstanden. Auch Auftritte hatten wir zusammen gehabt. Irgendwann ist der Punkt gekommen, da musste ich alleine was machen. Quasi mein eigenes Ding durchziehen. Nach Asylmusic hab ich lange mit dem Producer MEZ zusammengearbeitet. Seine Beats sind der Shit! Dann 2017 hat mich Rico angerufen. Rico von Belafonte Music. Wir sind abgehängt und haben gemeinsam Musik gemacht. Sofort haben wir uns gut verstanden und so habe ich auch bei seinem Label unterschrieben. Jetzt arbeiten wir sehr intensiv zusammen. Die Zusammenarbeit mit ihm funktioniert sehr gut. Ehrlich gesagt läuft gerade alles wie am Schnürchen.

Du rappst ja nicht nur, sondern machst auch Sprechgesang?

Ja, genau. Seit knapp einem Jahr nehme ich professionelles Vocal-coaching und Gesangsunterricht. Ich will mich auch weiterentwickeln. Probiere dieses und jenes aus. Man versucht sich zu steigern. Ein bisschen mit der Stimme spielen und so. Damit es für mich abwechslungsreich bleibt. Weißt du was ich meine? Ich stehe auf verschiedene Arten von Musik. Das ist halt das, wo ich mich gerade weiterbilde.

Woher holst du deine Inspiration für die Musik?

Das ist wie beim Fußball Spielen. Entweder du hast das Gefühl, oder du hast es nicht. Das Gefühl für den Ball braucht man. Man merkt halt noch bei den alten Liedern, was da bei mir so los war.

Manchmal hol ich mir die Themen halt aus dem Leben. Ich beobachte immer, was um mich herum passiert. Damals noch, als ich Balkan G war, haben mich andere Sachen beschäftigt.

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Was machst du, wenn du keine Musik machst?

Nun, ich bin ja auch generell an Kunst und Kultur interessiert. Ich mag auch die Malerei. In meinem Fall ist auch die Schauspielerei eine Leidenschaft von mir. Ich hab letztes Jahr zum Beispiel bei einem Kurzfilm mitgespielt. Teilweise finde ich die Schauspielerei leichter als rappen. (lacht)

Wie verdienst du eigentlich deine Brötchen? Kannst du von der Musik leben?

Leben geht sich noch nicht aus. Alles was rein kommt gibt man automatisch gleich wieder in neue Projekte. Ansonsten geh ich ganz normal arbeiten. Wenn ich nicht arbeiten gehen würde, könnte ich auch nicht meine Musik finanzieren. Zum Glück muss ich keine Beatz kaufen. (lacht)

Wie siehst du die derzeitige Entwicklung in der Rap-Szene, speziell in Österreich ?

Also im Vergleich zu früher ist es schon besser geworden. Die Leute vernetzen sich mehr als früher. Heutzutage ist Hip Hop Mainstream. Ich glaub die Kultur geht halt immer mehr verloren. Die Musik bleibt. Aber wofür Hip Hop und Rap steht, das geht verloren. Dieser Zusammenhalt untereinander, das fehlt mir ein bisschen hier in Österreich. Hier ist das irgendwie so, du bekommst nicht mal ein Like von einem Kollegen. (lacht)

Was sagst du zu dem Trend rund um den Rapper Yung Hurn?

Das ist etwas spezielles, weil ich genau die Zwischengeneration bin und mich dem Old School Hip Hop nahe fühle. Ich verstehe aber auch die neuen Stylez und Movements. Das ist Kunst und es hat seine Berechtigung. Es muss mir persönlich nicht gefallen, aber es hat seine Berechtigung. Der Typ macht seinen Scheiß. Weißt du, den Falco hat früher auch keiner verstanden, vielleicht weil er seiner Zeit voraus war. Ich gönn es jedem, der ein bisschen rauskommt aus der Masse. Persönlich würde ich mir wünschen, dass er sich in seinen Texten steigert. Aber auch live ist sicherlich noch mehr drin. (lacht)

Auf Soundcloud konnte ich einige Kollabos entdecken. Erzähl uns was darüber?

Die Sachen auf Soundcloud sind schon ein bisschen älter. Die sind aus dem Jahre 2014. Diese Kollabos sind aus Sessions im Studio entstanden. Ido Walker, Hamza Sikatrizz und Alix waren damals dabei. Damals auch mein früherer Rap-Partner Slim. Zu der Zeit ist auch meine erste EP entstanden, die letztes Jahr rausgekommen ist und “Ready to fly“ heißt.

Wie schätzt du deine aktuelle Hörerschaft ein?

Ich schätze mal vom Alter her geht es so ab 24 aufwärts und älter. Die Leute die mich hören sind eher so richtige Hiphoper.

Deine Texte sind ja auch politisch. Wird da noch mehr kommen?

Auf jeden Fall. Ich versuch halt auch bei politischen Sachen schon sehr neutral zu bleiben. Damit man mich nicht in eine Schublade stecken kann. Gerade als Künstler, finde ich, haben wir die Aufgabe, eine Opposition zu bilden und das System kritisch zu hinterfragen. Also ich hab genug Themen die noch aufgearbeitet gehören.

Was haltest du vom Skandal den Kollegah und Farid Bang ausgelöst haben?

Ich verstehe die Agenda dahinter. Ich versteh auch solche Leute, die versuchen, gegen die Ungerechtigkeiten auf der Welt den Mund aufzumachen. Dann gibt es die Leute, die versuchen, die zwei Künstler mundtod zu machen. Das ist, glaube ich, gerade der Fall bei Kollegah und Farid Bang. Es ist auch ein gutes Beispiel. Da sieht man welche Reichweite ein Künstler erreichen kann. Den Echo Preis haben sie damit kaputt gemacht. Den gibt es jetzt nicht mehr. Die Entschuldigung der beiden haben die Medien wieder nicht gezeigt.

Du warst ja am Splash Hard Festival 2017 in St. Pölten. Wie war das für dich mit Band dort zu performen?

Ja, das war ziemlich gut und sehr speziell. Das war meine erste Performance mit Life-Band. Mein erstes eigenes Set-up. Die Bühne war dort am Wasser. Die Menschen dort waren alle sehr nett am Ratzersdorfer See. Es war was Besonderes. Da war MEZ der Producer an den Keys, Amaro Moralez an den Drums. Wir haben alle gerockt. Die ganze Atmosphäre dort, es war Bombe.

Bemerkenswert sind auch deine Musikvideos. Ich spreche jetzt mal „Beton“ an. Wer ist da der Kopf dahinter?

“Beton“ , ja das war so ein Lied das auch zufällig entstanden ist. Die Idee des Videos war, zu meinem Text die passenden Bilder zu verwenden. Das wurde auch technisch umgesetzt. Das Video wurde produziert von Mr. Nobody.

Dein Album wird ja bald kommen. Wie heißt dein Erstlingswerk und was wird uns erwarten?

Den Namen darf ich noch nicht sagen (lacht). Ich sage nur, dass es heuer fertig wird. Der Release ist aber erst für das Frühjahr 2019 angesetzt. Dafür aber dann richtig fett. Die neuen Sachen sind halt eher wieder bisschen old school, jazzy, funky. Bald kommt mein neues Video raus. Da hab ich die Dreharbeiten gerade abgeschlossen. Das ist ein Feature mit Rico Belafonte. Der Song heißt „Hey“ und kommt Anfang Juli raus. Das Video produzierte Sebastian Samloi. Wir werden auch in Zukunft mit ihm arbeiten. Ein junger, talentierter Mann, der auch für Jugo Ürdens und andere Bekannte die Videos macht. Mir war es wichtig, dass derjenige, der unsere Videos produziert, den Sound auch fühlt. Das ist bei Sebastian der Fall. Ich bin voll und ganz mit seiner Arbeit zufrieden.

Wer glaubst du gewinnt das Champions League Finale?

Haha, kein Plan Alter. Real, glaub ich.

Hast du noch irgendwelche Schlussworte?

Zum Schluss würde ich mich gerne noch an die ganzen jungen Leute wenden, die auch Hip Hop machen. Früher, wo ich angefangen habe Musik zu machen, war es noch schwieriger. Ich will sagen, dass heutzutage eine Zeit ist, wenn man wirklich an sich glaubt und hart daran arbeitet, man alles erreichen kann. Bei mir hat es früher ewig lange gedauert, bis ein Track an die Öffentlichkeit gelangte. Das geht heutzutage schneller. Was ich damit sagen will ist, dass viele junge Leute nicht mehr üben, um ein bestimmtes Level zu erreichen. Die machen einfach etwas und bringen es dann schnell raus. So wird die Qualität auch nicht gut. Deswegen sag ich zu denen, machts euren Shit. Übt es auf den Tod ein. Versucht euren eigenen Style zu bekommen. Schauts nicht auf die Deutschen. Ihr habt Zeit, nehmt euch die Möglichkeit heraus und bringt etwas Qualitatives. So das wars, Peace!

Danke für das Interview!

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Infos und weiterführende Links

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