Eigentlich war dieser Samstag, 10. Oktober 2015 ein ganz gewöhnlicher Tag. Mit einer Ausnahme: die deutsche Hauptstadt ging in Flammen auf.  Unter dem Motto „TTIP & CETA STOPPEN!“ reisten 250.000 Menschen aus dem ganzen Land nach Berlin, um ihre Wut gegenüber dem Staat und der deutschen Politik zum Ausdruck zu bringen.

Das Wetter stand zu 100 Prozent auf der Seite der Demonstranten. Nach einer verregneten Woche ließ sich am Samstagmorgen endlich wieder die Sonne blicken. Der Himmel klar und tiefblau, keine Wolken weit und breit. Ein Tag wie geschaffen für eine Demonstration. Vielleicht ein Grund von vielen, dass spontan noch ein paar Menschen mehr als vorhergesagt an diesem Rubel teilnahmen. Denn schon bei der Ankunft am Washingtonplatz am Berliner Hauptbahnhof wurde klar: die Schätzung der Polizei auf 100.000 Teilnehmer war deutlich untertrieben. Mit 250.000 Teilnehmern zählt diese Demonstration zu den größten der vergangenen Jahren in Deutschland. Allemal ein Grund, auch in Österreich darüber zu berichten. Hier wurde Demokratie spürbarer denn je.

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Die 4,6 Kilometer lange Route zog sich vom Hauptbahnhof über die Friedrichstraße und fand ihr imposantes Ende bei der Siegessäule an der Straße des 17. Juni. Während dieser regelrechten Menschenwanderung stießen immer wieder neue Demonstranten dazu, um ihrer Haltung gegenüber den geplanten Freihandelsabkommen TTIP zwischen Amerika und Europa sowie CETA zwischen Kanada und Europa Ausdruck zu verleihen. Es waren so viele Menschen unterwegs, dass Zehntausende am Startpunkt noch nicht losgegangen waren, während die Demonstrationsspitze das Ziel an der Siegessäule bereits erreicht hatte. Nach Angaben der Veranstalter waren noch nie zuvor  mehr Menschen zu diesem Thema auf die Straße getreten.

„Für einen gerechten Welthandel“

Gegner befürchten mit der Inkrafttretung der Freihandelsabkommen zu großen Einfluss von US-Konzernen auf die Politik und daraus resultierend die Senkung ökologischer und sozialer Standards, genmanipulierten Lebensmitteln als auch Abbau von Demokratie. Mit verschiedensten Darstellungsformen wurde und wird gefordert, die TTIP-Verhandlungen mit den USA zu stoppen und das bereits verhandelte CETA-Abkommen mit Kanada nicht zu ratifizieren. Aufgerufen wurde diese Aktion von Welt von Umwelt- und Verbraucherschützern, Sozialverbänden und Gewerkschaften. Auf kreative Weise repräsentierten diese ihren Standpunkt. In dieser unvorstellbaren Menschenmenge war es schlicht und einfach unmöglich, sich sattzusehen. Ob mit Schildern oder Transparent ausgerüstet, mit Trillerpfeifen oder Schlaginstrumenten, mit ausgefallenen Kostümen oder Gesichtsbemalungen, ob mit Traktoren, Wagen oder musikalischer Begleitung – am 10. Oktober schien in dieser Stadt einfach alles möglich zu sein. Nie zuvor fühlte sich Demokratie so echt, so erlebbar, so berauschend an.


Alle Infos rund um TTIP, CETA und die Demonstration könnt ihr hier nachlesen und nachsehen:

Spielgel.de : TTIP – Alles über Freihandelsabkommen zwischen USA und EU

bcove.me : Video über die Demo


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