Der Jubiläumsmonat naht. Bald sind die ersten fünfhundert Jahre vorbei. Hundertsechzehn weniger siebenundvierzig ist neunundsechzig. Ich habe das noch immer nicht ganz verkraftet. Ich habe zwar gewusst, dass das irgendwann einmal passieren muss, aber ich dachte, das passiert dann. Dann.

Vor den Pfaffen knien noch immer die selben. Den Papst könnten sie heute wohl nicht mehr so leicht hinter das Licht führen. Die E35 ist eben lang. Und macht mich sehnsüchtig. Und süchtig bin ich eben schon lang. Nach dir. Die unzerstörbare Zerstörtheit der Straße. Ein Anton Dreher hat den Spieß einfach umgedreht. Und jetzt bist du überall. Unterindividualisiert. Wie ein Packerl Mannerschnitten in der Bronx. Das macht manche von uns sehr nervös. Sie bauen kleine, hübsche Firmen auf. Und stellen dort einen Braukessel hinein. Größe. Mikro. Das muss eins aber nicht nicht ignorieren. Dann schicken sie ihr sozialdemokratisches Kind eben auf die evangelische Privatschule. Da tuts keinem weh. Meine Konfession bleibt 4871. Ich bin ein Kosmopolit. Von Rom bis Amsterdam. Ich mag dich. Du bist schwer. [1440px]_ThroughTheHaze - _XPRO6020Du bist da. Du lässt mich dich spüren. Du kommst. Ein bisschen mehr langsam. Weil ohne Gefühl schreibst du einfach drei Leerstellen. Ich habe noch nie so etwas gespürt. Einem Preis zwischen die Glocke zu passen. Meine Hände bleiben sauber. Da klebt höchstens ein bisschen Tinte und Redigierstift dran. Weil eins den Kugelschreiber nicht sieht.

Eins sieht überhaupt ziemlich wenig. Den Zucker. Die Früchte. Viel viel Hitze. Ich habe das alles wirklich nicht gewusst. Ich habe ausgetrunken. Die Erzählung ging weiter. Ich würde euch gerne etwas vorlesen: Das Verb klappen geht auf das mittelniederdeutsche klappen zurück, bedeutet so viel wie „klatschen; schwatzen“ und gehört zusammen mit dem englischen to clap und dem schwedischen klappa zu einer lautnachahmenden germanischen Wortsippe mit der Bedeutung „klopfen, klatschen, schlagen“; heute ist der Ausdruck auch in übertragener Bedeutung für „etwas zuschlagen“ oder „etwas aufschlagen“ gebräuchlich. Achtundvierzig Stunden später beginnt mein Kopf wieder langsam damit meine Augenlider zu zerschneiden. Aber er tut das, weil ich es so will. I will never wave bye-bye. Frisch rasiert fällt das braune Laub in den Innenhof. Du stehst jetzt nackt vor mir und frierst. Und trotzdem habe ich kein Mitleid mit dir. Weil ich ja weiß, dass du nur Platz schaffst. Ausmistest. Der Igel freut sich über jedes Blatt im Haufen. Und ich freue mich auch. Wenn ich durch dich hindurch spaziere. Ich dich zertrete. Und du noch ein letztes Keuchen von dir gibst. Ich bin etwas spät dran. Gegessen habe ich trotzdem noch nichts. Noch nicht. Ich habe gerade weniger Lust darauf.

Immer neugierig bleiben. Der Begierde nach dem Unbekannten nachjagen anstatt ihr mit einem scharfen Messer die Kehle zu durchtrennen. In Bewegung bleiben, einem Kurs folgend. Den Wind höchstens als Rettungsanker im Hinterkopf behalten. Weil der bleibt uns ja, der Wind. Und trägt die Wellen durch unsere Häusergräben bis an mein Ohr. In der Nacht vom zehnten auf den elften spazieren wir durch den Ersten und hören ein Portal rauschen. Der Eingangsbereich ist mit kleinen, quadratischen, abwechselnd blauen und weißen Mosaiksteinen verkachelt. Das fühlt sich an wie in einer Badeanstalt. Aber schon nach wenigen Metern verändert sich die Stimmung und der einst beruhigend verzierte Tunnel beginnt sich im Grau einer aufgeschrammten Wand aufzulösen. [1440px]_ThroughTheHaze - _XPRO6016Die Treppe führt an zerschmetterten Räumen vorbei, wir wissen von nichts, ich nehme den Hörer der im Hausgang baumelt, kein Signal, hänge ihn auf. Die Aussicht vom Balkon im dritten Stock in den Innenhof ist unspektakulär, deine Gesellschaft berauschend.

Wir beschließen nach Hause zu gehen. Im Erdgeschoss ist ein Zwischenraum. Und da ist Licht an. Also gehen wir nicht nach links, nicht zurück auf die Straße, sondern wir nehmen den Weg rechterhand, die Klinke in meiner Hand, die Tür ist nicht abgesperrt. Wir wissen nichts. Es ist nur ein kleiner Gang der in den Hof führt. Nicht einmal hier dürfen die Steine aufeinanderliegen, nur ein paar Fließen führen über den erdigen Boden ins Grau. Hier ist nichts. Okay. Lass uns gehen. Die Taube die uns zu Füßen lag war dreckig, ihre Federn zerstreut, Kopf und Schnabel nicht mehr erkennbar, der Körper verformt. Alles rund um sie herum war grau. Alles rund um sie herum war zerschwommen. Sie konnte nur noch schwer als das erkannt werden, was sie wohl einmal war. Doch bis zum Schluss spritzte das rote Blut so stark durch ihre Adern, dass es ihren Körper in einen letzten, die Dunkelheit durchbrechenden Glanz hüllt

Zutaten

… erhältlich unter anderem im Malipop. Preis pro halber Liter: 3,80 Euro.

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