Die Musikbeschreibung Punk´n´ Roll meets Blackend Country Noise ließ mich erst mal ungerührt maliziös lächeln. Scheinbar gelten musikalische Innovationen nur noch dann etwas, wenn sie eine möglichst komplexe, unmöglich zuzuordnende Stilbeschreibung vorweisen können. Den Stil von Barren Womb aus Norwegen tituliere ich daher schlichtweg als Noise Punk mit starken Hang zu amerikanischen Country/Americana-Bands. Nicht mehr, aber (immerhin) auch nicht weniger. Zwar finden immer wieder auch Hardcore-Elemente und Ausflüge in schwarzmetallische Klanglandschaften statt, im Großen und Ganzen klingt die ganze Chose aber eher nach oben genanntem Genre. Atmosphärisch, groovig, punkig – direkt aus den Sümpfen Trondheims.

Der erste Song heißt “Make sure you get your whole head in front of the shotgun” und erinnert in den ersten Sekunden ein wenig an Woven Hand. Wenngleich auch etwas härter und weniger stimmungsvoll. Aufgenommen wurde der Silberling übrigens in den Das Boot Studios von Håkon Gebhardt (ex-Motorpsycho, Ida Jenshus). Das Mastering wurde von Alan Douches (Converge, Kvelertak, Japandroids) übernommen. Diese Expertise merkt man auch: Differenziert und druckvoll wabern die norwegischen Redneck-Vibes aus den Boxen; kriechen über die mit ausgespucktem Kautabak versiffte Holzveranda. Der Gesang erinnert mal an den brillanten David Eugene Edwards (zumindest die versoffene Version davon), an anderen Stellen wieder an die peitschenden Stimmbandhiebe eines Sarke von KHOLD. Mastepiss of Pain meets Sackloth´n Ashes. Die Vocals wechseln zwischen Duett und Solo ab, mal jammernd klagend, mal wütend prustend. Screams drücken sich mit klarem Gesang die Fliegengittertüre in die Hand. Die Gitarren kommen rhythmisch und crunchig daher, nuancieren immer wieder mit Bottleneck-Riffing und Banjo-Gedudel, welches allerdings nie auf die Nerven geht. “Nique Everything“schafft es unweigerlich einen Zustand zu generieren, in dem man am liebsten mit grimmiger Miene, Moonshine saufend die Resonatorklampfe an der Wand zerdreschen möchte. Titel wie “Town´s back the way you came” oder “Man fucks a burning goat” verstärken dieses Gefühl natürlich und ballern Huckleberry Finn direkt eins auf die Zwölf. Wenn diese Vibes die Intention des Duos sind, dann ist es ihnen definitiv gelungen. Der vorletzte Song “You can’t fire me because I quit” ist fast schon ein klassischer Skate-Punk Song, allerdings vernichtet auch hier der Grad des Filzigkeit jegliche Assoziationen zum glattgebügelten Rollsport-Punk der späten 90er Jahre. Erfrischend sind auch die Americana-Einflüsse, die sich wunderbar in den teilweise Hardcore-lastigen Gesang einbetten.

Fazit

Resümierend ist die Musik von Barren Womb zwar nicht einzigartig, aber immerhin innovativ genug, um im Gehörgang hängen zu bleiben. “Nique Everything” hinterlässt einen durchwegs positiven Eindruck. Zwar ist insbesondere bei den Riffs noch Luft nach oben, die Scheibe wird aber mit Sicherheit noch ein paar Tage in meinem Player rotieren. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall.

 

Hier noch ein Video von ihrem Album “The sun’s not yellow, it’s chicken”, das auch erst gerade mal eineinhalb Jahre alt ist.

Anspieltipps

“Towns back the way you came”

“Man fucks a burning goat”

“Piss jugs”

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Max Marquardt
Master of Vinyl (Reviews)

Einst Musik gemacht, von der man nicht leben kann, schließlich Journalismus studiert, wovon man auch nicht leben kann. Wenn Max nicht gerade für eine Reportage unterwegs ist, dann fotografiert er oder tippt auf seiner alten Olympia Schreibmaschine. Und sonst so? Entschleunigung, guter Kaffee, Charles Bukowski, ab und zu mal ein Kippchen. Was es halt so zum Leben braucht.

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