Wer um diese Jahreszeit im Wald spazieren geht, wird es schon am Geruch bemerkt haben. Es ist Bärlauchzeit! Auf Exkursion mit unserem Biologen Peter Bader.

Schon seit einigen Wochen kündigt er den Beginn des Frühlings an. Daher trägt der Bärlauch auch seinen Namen, da das Erscheinen des Seelentieres und Fruchtbarkeitssymbol der Germanen – der Bär – den Sieg des Frühlings über den Winter versprach. Doch auch Vampire und Blutsauger wurden vom „Knofelspinat“ (Wienerisch für Bärlauch) vertrieben.

Bei den Römern war der Volksglaube vertreten, dass der Presssaft der frischen Pflanzen, mit Koriander versetzt, ein starker Liebestrank sei, der sogar gegen Impotenz nützen würde. Oder wurde dir vor kurzem etwas stibitzt? Dann hilft dir vielleicht die Mythologie weiter: Wer bestohlen wurde, soll vor dem Schlafengehen Bärlauch und Brot an seinen linken Arm binden, um den Dieb im Traum zu erblicken.

 Eigenschaften des Waldknoblauchs sind:

+ reinigend

+ harntreibend

+ blutdrucksenkend

+ antiseptisch

Altes Heilmittel

Zutaten für Bärlauchpesto

So wurde der Bärlauch vermutlich schon vor 5 000 Jahren vom Menschen eingesetzt. Wer sich das Geschmacksvergnügen jedoch frisch bereiten möchte, muss lediglich einen Frühlingsspaziergang durch Bergmisch-, Laub- oder Auwaldgebiet unternehmen und an entsprechenden Stellen ernten. Die beste Zeit dafür ist vor der Blüte im April um die Mittagszeit, wenn der Vortag auch schon sonnig war. Dann ist die Assimilationsrate der Pflanzen am höchsten und es wird am meisten Wirkstoff eingelagert. Wer an die geistervertreibenden Kräfte des Bärlauchs glaubt, sollte ihn vor der Walpurgis-Nacht (30. April) sammeln, denn danach legen sich diese wieder. Ein schon längst in Vergessenheit geratener Brauch am folgenden 1. Mai ist es, den ganzen Tag ein Maiglöckchen in der Tasche zu tragen. Das soll den gesamten Sommer und Herbst über Glück bringen.

Take care!

Immer wieder kommt es zu (lebens-)gefährlichen Verwechslungen mit dem Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen. Ebenso ist auf die Schutzbestimmungen zu achten, da sogar Bärlauch in bestimmten Gebieten gefährdet und geschützt ist, was das dortige Sammeln strafbar macht.

Hier noch ein paar Tipps und Fotos, um all dies zu vermeiden:

Links der Bärlauch, rechts das Maiglöckchen

Bärlauch (Allium ursinum):

Der Bärlauch wächst flächendeckend am Waldboden und am Waldrand, (im Schatten und Halbschatten- an eher feuchten Standorten). Ein starker Knoblauchgeruch beim Zerreiben ist sein wichtigstes  Erkennungs-Merkmal. Die Blätter sind relativ weich und grundständig, meist zu zweit doch sichtlich getrennt und eher nach unten hängend, das Maiglöckchen hingegen eher aufrecht. In Osttirol und in den West- und Südalpen ist der Bärlauch gefährdet.

Maiglöckchen (Convallaria majalis):

Das Maiglöckchen ist giftig und streng geschützt! Daher, bitte nicht sammeln, sondern kaufen. Die Blattunterseite ist glänzend und nicht matt, (wie beim Bärlauch). Ein weiteres Merkmal sind die zwei Blätter aus einem Stiel, bzw. am Blattansatz. Die Blätter sind geruchlos, relativ steif und eher aufrecht stehend. Fündig wird man in trockenen Edellaubwäldern (Eichen- und Buchenwäldern sowie Kiefernwäldern und Felsschutt). Dazu erscheint es meist erst später, während der Bärlauch schon zu blühen beginnt.

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale):

Die Herbstzeitlose ist stark giftig und im Pannonischen Gebiet gefährdet. Man findet sie auf Wiesen und Auwäldern. Die Blätter sind steifer und erscheinen glänzend und aufrecht bis geknickt. Die Blütezeit ist allerdings erst im Herbst.

Es empfiehlt sich die Pflanzen genaustens zu beobachten, da Variationen niemals ausgeschlossen sind. Wer den Spuren des Bärlauchs oder auch Rans(er)/ Rondsn/ Ramselwurz oder Rämsala im Volksmund genannt folgen möchte, kann nach Ortsnamen suchen, die noch auf ihn hinweisen (zum Beispiel in Deutschland: Ramsthal, Ramsau, …).

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Infos und weiterführende links

herbula.ch

Auch folgende Quellen sind zu empfehlen:

  • Der Grosse BLV Pflanzen Führer, Schauer/ Caspari
  • Exkursionsflora für Österreich Lichtenstein Südtirol, Fischer, Oswald, Adler
  • Die Kräuter in meinem Garten, Siegrid Hirsch & Felix Grünberger

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