Sie fahren Rollschuh, tragen Kriegsbemalung und wenn es um blaue Flecken geht, sind sie nicht zimperlich. Die „Vienna Roller Girls“ duellierten sich am Samstag in Wien Liesing vor ausverkaufter Halle gegen Barcelona.

Der Begriff „Roller Derby“ mag hierzulande noch für viele ein Fremdwort sein. Dennoch findet der aus den USA stammende Vollkontaktsport immer mehr Anhänger. Großteils wird der Sport von Frauen betrieben, aber auch immer mehr Männer kommen auf den Geschmack dieser Trendsportart. Auf den ersten Blick erinnert es an Rugby oder American Football auf Rollen, doch bei genauer Betrachtung wird klar – es gibt keinen Ball. Roller Derby ist mehr als nur schubsen, drängeln und tackling. Nur durch Team Play, Taktik und Mut zum Risiko werden Punkte erzielt. Für die Spielerinnen des Vienna Roller Derby ist vor allem der Spaß am Sport vorrangig. Verletzungen nehmen die Mädels dabei in Kauf, denn beim Roller Derby wird sich nichts geschenkt.

Auch die 25-Jährige Knockout Nora. Sie studiert Englisch und Geschichte und fährt Roller Derby seit dreieinhalb Jahren. Ihre erste Berührung mit dem Sport war in Holland, wo sie auch ein Jahr lebte und durch Freunde auf diesen Sport aufmerksam gemacht wurde. Mittlerweile zählt sie sich schon zu den Oldies. „Es ist die Leidenschaft, die die Leute in den Sport legen, die mich so fasziniert.“ „An Roller Derby gefällt mir besonders, dass es ein Teamsport ist und Einzeltaktiken nicht viel Sinn machen.“ Nora nimmt Roller Derby sehr ernst und trainiert dreimal die Woche. Verletzungen kommen dabei schon mal vor, sagt sie. Für die Zukunft erhofft sie sich, dass die Community in Österreich größer wird und bald auch Meisterschaften stattfinden können.

Fair geht vor

Ziel des Wettkampfs ist es, durch Überrunden der gegnerischen Spielerinnen Punkte für das eigene Team zu erzielen. Jede Mannschaft besteht aus je einer “Jammerin” und vier Blockerinnen. Die Jammerin macht Punkte, indem sie die gegnerischen Spielerinnen überholt. Für jede Gegnerin, an der sie vorbeizieht, gibt es einen Punkt. Die Gegenspieler versuchen sie dabei aufzuhalten. Geblockt werden darf mit Hüfte oder der Schulter, Arme und Beine sind hingegen tabu. Ein „Bout“, so wird das Match genannt, besteht aus zwei Halbzeiten und dauert 60 Minuten. Gerollt wird dabei gegen den Uhrzeigersinn auf einer ovalen Bahn. Welches Team nach 60 Minuten am meisten Punkte hat, gewinnt. Die meisten Wettkämpfe werden nach den Regeln der „Women’s Flat Track Derby Association“ (WFTDA) ausgetragen. Vienna Roller Derby sind seit dem Vorjahr ein eingetragenes Team.

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Blaue Flecken – for the win

Es war ein harter Kampf für die Vienna Roller Girls, am Samstag den sechsten Februar 2016. Bei ausverkauftem Stadion und vollen Zuschauerrängen hatten Barcelona Roller Derby wenig zu lachen. Zu Anfang lagen die Wiener Mädels knapp hinter ihren spanischen Rivalinnen. Eine spannende Aufholjagd zog sich bis in die zweite Hälfte. Nur mit viel Mühe und Körpereinsatz, konnten die Vienna Roller Girls das Spiel für sich entscheiden. Die Spannung blieb bis zum Schluss bestehen und mit einem Endstand von 197 zu 155 Punkten durften die Wienerinnen heuer ihr erstes Heimspiel ausgiebig feiern.

Old school & New school

Roller Derby fand seine Anfänge im Jahre 1935 in Chicago. Filme wie „Roller Girls“ oder “Round up” ließen den Bekanntheitsgrad von Roller Derby in den 1970ern steigen. Zu Beginn war der Sport fast ausschließlich in den USA bekannt. Ende der 1970er Jahre verschwindet der Sport allmählich von der Bildfläche und kehrt erst 1999 mit den Riot Grrrls zurück. Eine subkulturell-feministische Bewegung mit Punkattitüde, die die heutige Form von Roller Derby stark beeinflusst hat. Anfang der 2000er Jahre findet der Sport auch in Europa Gefallen. Die ersten Teams gründen sich in London und Stuttgart im Jahre 2006. Mittlerweile gibt es über 200 Mannschaften in ganz Europa. Viele Länder haben inzwischen Nationalteams. 2011 fand im kanadischen Toronto die erste Roller Derby-Weltmeisterschaft statt.

Die Vienna Roller Girls sind Österreichs erste Roller Derby Mannschaft. Gegründet wurde das Team im Jahre 2011. Der Verein zählt bereits jetzt 90 aktive Mitglieder. Hierzulande gibt es noch drei weitere Teams in Graz, Linz und Innsbruck, jedoch sind diese noch nicht bei Wettkämpfen vertreten. Grundsätzlich kann jeder mitmachen, man braucht weder Vorkenntnisse noch besondere Fähigkeiten. Männer hingegen bleibt jedoch nur der Job als Referee oder Cheerleader.

Quellen und weiterführende links

Immer mehr Männer entdecken Roller Derby (Stefan Dähler, 2015, Blick am Abend) 

Rollerderby: Rempelnde Frauen auf Rollschuhen (2012, Der Standard)

 

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